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Familienleben | Mamaleben

6 Kinder und die Herausforderung Homeschooling: Eine Großfamilie erzählt

April 6, 2020

Meine Großfamilie besteht aus vier Kindern, Nataschas sogar aus sechs! Der Altersunterschied ihrer Kinder beträgt mehr als 20 Jahre, die beiden Großen haben bereits ihr Elternhaus verlassen. Wie sie es schafft, drei Schulkinder zu unterrichten während ihr Kleinkind ganz andere Ideen hat, verrät sie heute bei mir auf dem Blog:

Natascha, erzähl uns doch ein bisschen von dir und deiner Familie. Wie viele Kinder hast du und wie alt sind sie?

Hallo Viola, ich bin Mutter einer Großfamilie von sechs Kindern, fünf Jungs und ein Mädchen. Der Kleinste wird diesen Monat zwei, dann folgen drei Jungs mit 8, 12 und 18. Unsere Tochter ist 22 und unser ältester Sohn 24. Die vier jüngeren leben noch zu Hause. Unser 18-jähriger Sohn macht gerade Abi, der Zwölfjährige besucht die 6. Klasse des Gymnasiums und der Achtjährige die zweite Klasse der Grundschule. Ich bin Vollzeitmami, mein Mann ist in einer leitenden Funktion in einem großen Unternehmen.

Machst du dir viele Sorgen wegen des Corona-Virus um deine Kinder? Welche Einschränkungen erlebt ihr individuell als Großfamilie?

Um meine großen Kinder mache ich mir gesundheitlich weniger Sorgen. Durch die derzeitigen Auflagen, die Schließung der Uni und die Kontaktverbote sind sie aber recht einsam. Bei den kleinen haben wir zwei Sorgenkinder. Ein Kind mit allergischem Asthma und eines mit einem Herzfehler. Wir vermissen unseren 88-jährigen Opa, den wir sonst jeden Sonntag zum gemeinsamen Essen treffen. Unsere Freunde, die Paten unserer Kinder. Die Jungs vermissen ihre Spielkameraden, die sonst immer bei uns sind und das freie Spielen auf der Straße mit den Nachbarskindern.
Unser wöchentlicher Besuch im Schwimmbad fehlt uns. Die fehlende Möglichkeit, etwas zu unternehmen fehlt besonders den Kindern, ob es das spontane Eis essen ist, der Besuch im Tierpark oder der Ausflug in den geliebten Steinbruch.

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Wie schaffst du es, den Kindern in der momentanen Situation Zuhause gerecht zu werden? Sie haben ja altersbedingt ganz unterschiedliche Ansprüche an dich, das stelle ich mir sehr schwierig vor.

Um es vorweg zu nehmen: In so einer Situation kann man allen Kindern unmöglich gerecht werden. Die Tatsache, dass alle vier von heute auf morgen komplett zu Hause waren und ich für zwei meiner Kinder Ersatzlehrer im Home-Schooling sein musste, ist mit einem Kleinkind nicht möglich. Ein zweijähriges Kind hat spontane Bedürfnisse, die nicht zeitlich organisiert werden können. Wenn du gleichzeitig zwei Halbwüchsige dazu bringen sollst, sich am Computer nur auf schulische Inhalte zu konzentrieren und nicht „aus Versehen“ auf Youtube oder andere Ablenkungen abzuwandern, gleicht das der Quadratur des Kreises. Natürlich erwarten alle sechs Personen – meinen Mann im Homeoffice hatte ich bisher nicht erwähnt – dass mittags ein leckeres und abwechslungsreiches Mahl auf dem Tisch steht.

Wie habt ihr das Homeschooling strukturiert? Was klappt und was stellt dich immer wieder vor große Herausforderungen?

Die größte Herausforderung zu Beginn war, dass ich mich in die Online Plattform meines Zwölfjährigen erst mal selbst einarbeiten musste. Zum Glück hatte die Schule vor Kurzem diese Plattform eingeführt. Tatsache ist jedoch, dass weder Schüler noch Lehrer und schon gar nicht die Eltern auf dieses System und diese Situation vorbereitet waren.
Nach anfänglichen Problemen im Umgang mit dem System und schlichtweg mit der Disziplin der Kinder habe ich mich jeden Morgen zu Schulbeginn mit den beiden hingesetzt und bin mit ihnen ihre Aufgaben für die jeweilige Stunde durchgegangen. Nach 10 Tagen waren wir in dem neuen Arbeiten angekommen, die Kinder wurden selbständiger, der Austausch mit den Lehrern funktionierte besser.

Wirklich schwer war, den teilweise völlig unterschiedlichen Ansprüchen der Lehrer gerecht zu werden. Einzelne Lehrer haben es in Punkto Stoff und Hausaufgaben völlig übertrieben. Die wenigsten Kinder können von heute auf morgen völlig selbständig lernen und sich den Inhalt aneignen. Und Eltern sind keine Pädagogen. Ich frage mich, wie das Familien lösen, in denen beide Elternteile – auch jetzt – arbeiten.

Falls das Homeschooling nach den Ferien weitergeht: Was sollte deiner Meinung nach verändert werden? Welche Verbesserungsvorschläge oder Wünsche hättest du?

Gut war für mich, dass ich auf diesem Wege den Schulalltag, die Fächer und Inhalte meiner Kinder noch besser kennengelernt habe. Die Einführung von Unterrichtsstunden als Live-Video-Chat wäre definitiv wünschenswert. Eine Lehrerin hat das bereits eingesetzt, mit dem Ergebnis, dass die Mitarbeit, das Lernverständnis und die Motivation meines Kindes wesentlich besser waren.

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Bei der Vermittlung von Lernstoff haben unsere Lehrer die Aufgaben auf der Plattform hinterlegt. Diese mussten wir ausdrucken, analog bearbeiten, dann wieder digitalisieren und zurück übermitteln. Das war definitiv super umständlich. Meine Anregung wäre, die Inhalte zur direkten Bearbeitung auf einer Lernplattform anzubieten. Am besten noch mit anschließender Kontrolle.
Ich würde mir wünschen, dass sich manche Lehrer bewusst machen, dass es Familien gibt, in denen beide Eltern arbeiten oder mehrere Kinder zu Hause sind und Home-Schooling die Schule vor Ort nicht ersetzen kann.

Liebe Grüße,
Natascha Mayr

Ich folge Natascha schon seit längerem auf Instagram und finde es immer wieder bewundernswert, wie sie ihren Alltag in der Großfamilie stets mit einem Lächeln im Gesicht meistert. Man merkt ihr an, mit wie viel Liebe und Begeisterung sie ihrem Job als Vollzeitmama nachgeht. Überzeugt euch doch selber von ihrem positiven Wesen – ihren Instagram Account 6.mal.Schokolade findet ihr hier.

Und falls ihr auf der Suche nach kreativen Beschäftigungsideen für eure Großfamilie seid, dann findet ihr hier die Lieblingsspiele meiner Kinder – die auch Geschwister zusammen spielen können!

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