Zwillinge

Ältere Geschwister von Zwillingen: So vermeiden Eltern Eifersucht und Verlustängste

Mai 18, 2018

Wenn ein weiteres Baby sich ankündigt, ändert sich für ältere Geschwister sehr viel. Ist es nicht nur ein Nachzügler, sondern sogar Zwillinge, werden die Verhältnisse in einer Familie komplett neu verteilt. Was können Eltern tun, um älteren Geschwistern die Umstellung möglichst leicht zu machen?

Als Einzelkind ist das Leben herrlich: Man hat die ungeteilte Aufmerksamkeit von Mama und Papa, sämtliche Wünsche werden umgehend erfüllt, Lieblingsbücher vorgelesen und Kuscheleinheiten ohne Störung genossen. Ach ist das schön!

Bis zu dem Tag, an dem die Eltern freudestrahlend verkünden: „Du bekommst ein kleines Geschwisterchen!“ Toll, bestimmt was Neues zum Spielen, so wie Mama und Papa sich freuen. Keine Bedrohung, lediglich ein kleines Amüsement nebenbei.

Weit gefehlt! Die Geburt eines Geschwisterkindes hat weitreichende Folgen für den kleinen Bestandsmenschen. Ein Baby fordert Zeit, Aufmerksamkeit, Energie – Teilen wird zum Gebot der Stunde. Das ist unvermeidlich, ungewohnt und sicher nicht immer angenehm. Doch nach einiger Zeit wird sich eine neue Balance finden und der Status als Ältere/r kann durchaus auch Vorteile mit sich bringen.

Aber wie verhält es sich, wenn nicht nur eins, sondern gleich zwei Babys die geliebte Heimat bevölkern?
Zwillinge als Nachzügler sind erstmal ein Schock – nicht nur für Mama und Papa. Hatte man lange Zeit überlegt, ob man sich überhaupt noch ein Kind zutraut, stellt einen das Schicksal nun ungefragt vor eine gigantische Aufgabe. Zudem weiß man durch Erfahrungen mit dem ersten Kind als Eltern ganz genau, was einem bevorsteht! Da hilft kein „Wird schon werden“ oder „Bestimmt halb so wild“ – nein, man kennt die ungeschönte Wahrheit. Und das jetzt alles Mal 2? Auweia!

Als Erwachsene können wir die Neuigkeit über eine Schwangerschaft mit Zwillingen rational verarbeiten. Wir haben Zeit, uns mit der kommenden Situation auseinander zu setzen. Kinder haben diesen Vorlauf, zumindest bis zu einem gewissen Alter, nicht. Zum Glück gibt es wunderbare Bücher, die dabei helfen, ältere Geschwister auf die neue Situation vorzubereiten.

Kindgerechte Bücher können das oft viel besser, als verbale Erklärungen der Eltern es vermögen. Je nach Altersstufe gibt es Erklärungen zur Schwangerschaft und der ersten Zeit mit Baby. Diese beiden beziehen sich zwar nur auf ein Baby, dennoch sind sie sehr informativ und liebevoll gestaltet*.

Meine älteren Kinder haben häufig darin geblättert, als sich unsere Zwillinge ankündigten. Dabei konnte ich ihnen zumeist vom Gesicht ablesen, was in ihren Köpfen vor sich ging – sehr lustig!

Das Buch Marie wird Schwester von Zwillingen geht speziell auf die Situation mit zwei Nachzüglern ein. Es ist ein Vorlese- und Malbuch vor allem für kleine Kinder, deren Mutter Zwillinge erwartet.

Für Eltern ist die passende Ergänzung das Buch Zwillinge und ihre Geschwister. Es enthält viele hilfreiche Tipps für werdende Zwillingseltern mit älteren Kindern. Marie wird Schwester von Zwillingen ist in diesem Elternbuch als gekürztes Bilderbuch enthalten.

Mit dem Tag der Geburt geht es dann so richtig los: Nichts ist mehr, wie es mal war. Die beiden Nachzügler übernehmen die Herrschaft – und zwar Tag und Nacht. Die Eltern funktionieren nur noch im Versorgungsmodus und das Vorlesen des Lieblingsbuches ist eher ein abhaken auf der täglichen To-Do Liste als gemeinsame Quality Time. Dank des permanenten Schlafmangels liegen die Nerven blank und für Kleinkind Quengeleien ist kein nervliches Kontingent mehr eingeplant.

Es ist absolut normal, dass ein älteres Geschwisterkind vorübergehend eifersüchtig auf die beiden Kleinen ist. Sie „stehlen“ ihm schließlich die Aufmerksamkeit, die es vorher für sich verlangen konnte. Teilweise kommt es auch zu scheinbaren Rückschritten im Verhalten: Bettnässen oder schlafen ausschließlich im elterlichen Bett können wieder Thema werden.

Muss man also davon ausgehen, dass das Erstgeborene bleibende Schäden durch die Geburt der kleinen Nachzügler erleiden wird? Sicherlich nicht! Klar, die erste Zeit mit Zwillingen ist eine Zerreißprobe für Groß und Klein. ALLE Familienmitglieder müssen hinter den Babys zurückstecken und es ist menschlich unmöglich, die Anstrengung der permanenten 24 Stunden Schichten an sich abprallen zu lassen.

Und dennoch ist es eine wunderbare Zeit voller Liebe und Zuneigung. Und in diese magischen Momente sollte man auch das Geschwisterkind mit einbinden. Gemeinsames Kuscheln geht mit satten Babys wunderbar und Mamas Arm ist sooo lang – da findet auch der große Schatz Platz.

Die meisten Kinder sind unheimlich stolz darauf, große Geschwister zu werden. Dieses positive Gefühl und die damit verbundene Vorfreude sollte man fördern, indem man den neuen Status ganz bewusst thematisiert. Dafür gibt es zum Beispiel tolle T-Shirts mit Aufdrucken wie z.B. ICH WERDE GROßE SCHWESTER oder GROßER BRUDER 2018.

Alternativ können Mama und Papa gemeinsam mit dem Geschwisterkind ein individuelles Geschwister T-Shirt mit Textilstiften beschriften oder bemalen. Wie toll, wenn man so der Welt verkünden kann, welche wichtige Position man bald haben wird!

Besonders kostbar sind für Geschwisterkinder Momente, in denen sie ihre Eltern ganz alleine genießen können. Sobald es nach der Entbindung organisatorisch möglich ist, sollte sich ein Elternteil ein bisschen Zeit freischaufeln und diese alleine mit dem älteren Kind verbringen. Eine Stunde gemeinsam auf dem Spielplatz oder eine kleine Auszeit beim Eis essen zu zweit tun der kleinen Seele gut.

Wichtig ist zudem ein eigener Freundeskreis für das ältere Kind. Kita- oder Schulfreundschaften können einen wunderbaren Ausgleich zum anstrengenden häuslichen Alltag bieten.

Hat das Geschwisterkind einen kleinen Wunsch, den es schon lange hegt? Nach ein paar Wochen mit Zwillingsbabys, in denen viel Geduld und Einsicht verlangt wurden, wäre vielleicht ein guter Zeitpunkt, um diesen Wunsch zu erfüllen.

Sicherlich gibt es einige Aufgaben, die große Geschwister bei den Babys übernehmen können. Durch das Einbinden wird das Selbstwertgefühl der Älteren gestärkt und sie lernen, dass ihre Hilfe geschätzt wird. Abhängig vom Alter können dies ganz alltägliche Dinge sein, wie z.B. Mütze aufsetzen, Body zuknöpfen, Brei füttern u.ä.. Positiver Nebeneffekt: Mama wird ein bisschen entlastet und die Babys lieben es, wenn die Großen sich mit ihnen beschäftigen!

Ich wünsche euch und euren Kindern eine wunderbare gemeinsame Kennenlern Zeit mit Zwillingen! Gemeinsam gilt es, die auftauchenden Klippen zu umschiffen und das Familiengefüge neu zu sortieren. Ihr schafft das, da bin ich mir absolut sicher. Und nach einiger Zeit wird es sich so schön anfühlen, als ob es nie anders gewesen wäre…

Habt ihr noch Tipps oder Erfahrungen, die ihr gerne teilen möchtet? Schreibt sie einfach in das Kommentarfeld, dann können alle Leserinnen davon profitieren – lieben Dank!

 

 

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  1. Vielen Dank für diesen Beitrag.

    Wir selbst haben vor 4 Monaten zu unserem großen Sohn (6) noch Zwillingsmädchen bekommen.
    Der Große ist sehr stolz und glücklich.
    Dennoch war aller Anfang sehr schwer. Besonders, wenn man 6 Jahre Einzelkind ist.
    So langsam legt sich der Sturm und die Familie schaukelt ruhiger auf den Wellen. Für uns als Eltern ist es tatsächlich schwierig, allen immer zu 100 Prozent gerecht zu werden.

    Zu Beginn dachte ich die Welt bricht zusammen und sorgte mich sehr um den Großen. Ich bin froh, dass es sich langsam einspielt.
    Vor allem, weil wir 5 nun wirklich vollständig sind und ich es mir gar nicht mehr anders vorgestellen kann.

    Danke für die Buchtipps.

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