Meinung | Schule

Angst vor dem Lehrer: Wie Pädagogen nicht sein sollten

Mai 13, 2019

„Nein, Mama, geh nicht zu dem Lehrer hin. Dann bekomme ich bestimmt Ärger am nächsten Tag!“ So lautete der Kommentar meines Fünftklässlers zum anstehenden Elternsprechtag. Kann ja wohl nicht sein, denke ich mir da als Mutter. Ob er nicht übertreibt, denkt die Lehrerin in mir.

Dazu muss man ganz klar sagen: Ja, es gibt sie. Die Lehrer, vor denen Kinder Angst haben. Vor denen haben zumeist auch die Kollegen und einige Eltern Angst. Sie sind autoritär, von sich selbst und ihren Fähigkeiten überzeugt und so gut wie gar nicht kompromissbereit.

Besonders für Grundschulkinder stellt dieser Lehrertypus eine echte Herausforderung dar. In einem Alter, in dem Kinder häufig für ihre Lehrer lernen und maßgeblich durch deren Lob motiviert werden, können abweisend wirkende Lehrer ihre Lernfreude erschüttern. Kinder spüren, ob sie vom Lehrer mit all ihren Fähigkeiten anerkannt, oder ob sie mit nüchterner Distanz betrachtet werden.

Verschiedene Lehrerpersönlichkeiten

Natürlich kann man keinem Lehrer auf Grund seiner Persönlichkeit einen Vorwurf machen. Während einige die Gabe haben, ihre Schüler für sich und das eigene Fach einzunehmen, betrachten sich andere als reine Wissensvermittler. Objektiv, sachlich, gründlich – aber leider ohne das große Herz für Kinder, welches gerade bei den jüngeren Kindern so wichtig ist.

Auch ich habe als Lehrerin Kolleginnen erlebt, vor denen das Lehrerzimmer gezittert hat. Jeder wusste, dass die Kinder in diesem Unterricht nur still waren, weil sie Angst vor der Lehrkraft hatten. Ein böser Blick von ihr und die Kinder verstummten. Das ist praktisch, wenn man ungehindert seinen Unterrichtsstoff vermitteln will. Es ist aber auch vollkommen hinderlich, denn kein Kind wird etwas lernen, wenn es sich in einer Druck- oder Angstsituation befindet. Die Ohren nehmen die Akustik dann zwar auf, das Gehörte bleibt aber nicht zwischen den Lauschern hängen.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich also ganz klar sagen: Es gibt Pädagogen (und Pädagoginnen) des Grauens. Einige setzen ihre dominante Energie voll ein, andere sind sich ihrer Wirkung vielleicht gar nicht bewusst. In beiden Fällen ist es schwierig, professionell damit umzugehen.

Lehrer vs. Eltern

Ein Beispiel, das ich als Mutter erlebt habe: Meine Tochter (damals 5. Klasse) erzählte mir, dass die Leiterin der schulischen Töpfer-AG, die gleichzeitig ihre Kunstlehrerin war, ihr üble Vorhaltungen gemacht hatte. Sie hätte vor allen Kindern gesagt, dass ein Junge nur wegen meiner Tochter die AG verlassen hatte. Meine Tochter hätte ihn so geärgert, dass er keine andere Wahl gehabt hatte.

Das konnte ich nicht glauben. Durch meinen Beruf habe ich schon oft erlebt, dass Kinder Dinge anders wahrnehmen und Zuhause berichten, als sie tatsächlich vorgefallen sind. Ich suchte also die besagte Lehrerin auf und fragte sie sehr freundlich, ob sie vielleicht Licht in diese Geschichte meiner Tochter bringen könnte. Keineswegs sei das eine Geschichte, antwortete sie mir, mein Kind habe den Jungen so gemobbt, dass er den Kurs verlassen habe. Wohlgemerkt, wir sprechen von einer freiwilligen Kunst-AG am Nachmittag.

Obwohl ich von der barschen Reaktion der Lehrerin schon gänzlich überrollt war, versuchte ich, das Gespräch noch in eine verbindliche Richtung zu lenken. Ehrlich gesagt dachte ich, ich hätte mich verhört. Denn es schien mir undenkbar, dass sich eine Lehrerin im Brustton der Überzeugung vor mich stellen und mein Kind als (Töpfer-AG) Mobber bezeichnen würde.

Ich wusste mittlerweile von der Mutter des betreffenden Jungen, dass sein Ausscheiden gänzlich andere Gründe gehabt hatte. Dies deutete ich der Lehrerin an, mit dem Hinweis, dass es doch wohl grenzwertig sei, ein Kind vor versammelter Mannschaft für den Weggang eines anderen verantwortlich zu machen. Nein, da gäbe es keine anderen Gründe, das wisse sie sehr genau. Und es sei eine gerechte Strafe für meine Tochter, wenn der Rest der AG dies auch wüsste.

Ich war völlig perplex. Mir war klar, dass dieses Gespräch nun besser beendet werden sollte – sonst hätte ich mich in einem Vokabular über ihre pädagogischen Fähigkeiten geäußert, das sicherlich nicht zur Verständigung beigetragen hätte. Ein äußerst unschönes Erlebnis, das mir auch nach drei Jahren noch deutlich vor Augen ist.

Lehrer vs. Lehrer

Ein Beispiel von mir als Lehrerin: Eine Kollegin erkrankte längerfristig und ich sollte für diesen mehrwöchigen Zeitraum ihre Klasse übernehmen. Die Sitzordnung in ihrem Raum entsprach nicht meiner Unterrichtsweise und so änderte ich sie kurzerhand. Ein paar Tische hierhin geschoben, die Stühle hinterher und schon war ein Klassenzimmer entstanden, in dem ich mich die nächsten Wochen wohlfühlen konnte. Und in dem die Kinder durch eine neue Sitzanordnung neue Impulse bekommen konnten.

Natürlich hatte ich mir bei meiner Aktion nichts gedacht. Was denn auch? Es war ja nur Mobiliar, das da durch den Raum wanderte. Aber, oho, da hatte ich die Rechnung ohne meine erkrankte Kollegin gemacht. Durch eine andere Lehrerin hatte sie von meiner Sitzordnung Wind bekommen und fühlte sich nun bemüßigt, mich telefonisch zu kontaktieren. Sie wollte verärgert von mir wissen, warum ich mich erdreistete, in ihre Unterrichtsstruktur einzugreifen. Warum ich ohne ihr Einverständnis ihr Klassenzimmer umräumen würde, wo sie doch schließlich die Klassenlehrerin sei. Äh, ok. Daran hatte ich ja auch nicht gezweifelt. Wie gesagt: Für mich waren es nur Tische und Stühle. Für sie eine Verletzung ihrer Autorität.

Also ja, es gibt Lehrer, die in einem anderen Beruf besser aufgehoben wären. Das lässt sich natürlich auch von Ärzten, Anwälten und Autoverkäufern sagen. Aber gerade bei verletzlichen Kinderseelen ist es bitter, wenn diese von ihren Lehrern nicht als kostbar anerkannt werden.

Was tun?

Dennoch sollte man als Eltern den Erzählungen der eigenen Kinder möglichst neutral gegenüber- stehen. Es nützt niemandem, wenn ihr als Eltern voller Wut und Emotionen in ein Lehrergespräch startet. Dann macht euer Gegenüber sofort dicht. Ich würde immer versuchen, ein vernünftiges und klärendes Gespräch mit der Lehrkraft zu führen, um einen Sachverhalt zu klären. Oft lässt sich gemeinsam eine Lösung finden, die sich zuvor nicht offenbart hat.

Ich wünsche euch und eurem Schulkind, dass ihr viele nette Lehrer habt, die Lernmotivation fördern und Begeisterung wecken können. Solltet ihr individuelle Schwierigkeiten mit einer Lehrkraft haben, könnt ihr mir gerne eine E-mail schicken. Ich versuche gerne, euch weiter zu helfen.

Alles Liebe und Gute für die letzten Wochen dieses Schulhalbjahres wünsche ich euch – nicht mehr lange und die Sommerferien stehen vor der Tür 😊

Viele weitere spannende Berichte rund um das Thema Schule findet ihr in meiner Kategorie Schule. Von der Einschulung bis zu Problemen mit Mobbing ist alles dabei, was man als Eltern zum Thema wissen muss.

Über euer Like meiner Facebook Seite Mama&Co würde ich mich sehr freuen! Dort werdet ihr auch regelmäßig als erste über neue Beiträge informiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.