ältere Geschwister
Familienleben

Bitte recht artig: Der Fluch der älteren Geschwister

Februar 10, 2020

Eine erlebnisreiche Skiurlaubswoche liegt hinter uns. Zwei Erwachsene und vier Geschwister gemeinsam in einem kleinen Appartement, das wenig Platz für den Rückzug des einzelnen bietet. Klar, dass es da in sieben Tagen auch mal zu Streitigkeiten kommt. Und wieder einmal ist mir aufgefallen: Ältere Geschwister zu sein ist manchmal auch recht undankbar.

Zwei Kleinkinder und zwei ältere Geschwister

Vierjährige Kleinkinder können ganz schön anstrengend sein. Ich habe zwei davon. Meine Zwillingsmädchen sind zuckersüß – und trotzdem eine Herausforderung. Dabei sind sie weder besonders laut oder aufgedreht, sie hauen einander nicht und können sich auch im Hotelrestaurant ganz passabel benehmen. Trotzdem kosten zwei Portionen quirliges Kinderleben die anderen Familienmitglieder oftmals ganz schön viel Kraft.

Meine Mädels verteilen ihre Emotionen ungefiltert. Glück, Freude, Schmerz, Erschöpfung, all das prasselt knapp 14 wache Stunden auf die anderen Familienmitglieder ein. Als Mama versuche ich natürlich, sie jederzeit bestmöglich aufzufangen. Ich teile ihr Glück mit einem Lächeln, lindere ihren Schmerz mit einem Pflaster und streichle ihren Kopf bei Erschöpfung. Alles von Herzen und von Herzen gerne.

Schwierig wird es nur dann, wenn ich selber gestresst bin. Vielleicht, weil ich nicht gut geschlafen habe. Oder weil es im Skiurlaub feste (Skischul-)zeiten gibt, die mit vier Kindern eingehalten werden müssen. Oder, oder, oder. Ich glaube, dass man als Mutter auch mal gestresst ist, könnt ihr alle gut nachvollziehen.

Und da kommen wir zum Kern meiner Überlegungen. Die Kleinen können (meistens) nichts für ihr Verhalten. Dieses wird zwar von mir wenn nötig reglementiert, aber letztlich mit viel Verständnis und Empathie begleitet. Bei den älteren Geschwistern sieht es da anders aus.

Viel Geduld für die Kleinen – wenig für die Großen

Sobald sie aus der Reihe tanzen, zappelt mein Geduldsfaden an einer ganz kurzen Leine. Egal ob sie sich miteinander streiten oder für mein Empfinden zu langsam fertig machen – ich werde sauer. Keine Spur mehr von der Engelsgeduld, die ich für meine vierjährigen aufbringe. Nein, bei meinen beiden großen setze ich definitiv andere Maßstäbe an und erwarte, dass sie sich vernünftig benehmen und nicht noch zusätzlich Tohuwabohu produzieren.

Das ist ein Fehler, dessen ich mir oftmals schmerzlich bewusst bin. Ja, sie sind die älteren Geschwister von Zwillingen im Kleinkindalter. Aber mit 14 und 12 Jahren sind auch sie noch Kinder. Als solche haben sie auch das Recht, sich dementsprechend zu benehmen. Und eben nicht so zu funktionieren, wie ich es mir wünschen würde.

Ältere Geschwister zu sein kann auch eine Belastung darstellen. Natürlich ist es toll, wenn man mehr darf als die Kleinen und darum ordentlich beneidet wird. Aber es liegt auch eine größere Verantwortung auf den eigenen Kinderschultern. Vernünftige Schulleistungen bringen, im Haushalt helfen und die Kleinen versorgen sind alles Anforderungen, die an die größeren Kinder gestellt werden.

Auch ältere Geschwister dürfen Kind sein

Unzumutbar? Keinesfalls. Eine (Groß-)familie kann nur funktionieren, wenn jeder auf seine Art ein wenig mithilft. Je größer das Kind, desto größer darf auch die Verantwortung sein. Aber dennoch sollten wir uns als Eltern bewusst machen, dass auch die älteren Geschwister noch Kinder sind. Sie haben ihre ganz eigenen Themen, ihre Wünsche oder Vorstellungen vom Familienleben. Manchmal verhalten sie sich wie 5, obwohl sie doch schon fast 15 sind. Gut so!
Sie verdienen das gleiche Verständnis von uns Eltern wie ihre jüngeren Geschwister. Altersgerechte Anforderungen an sie zu stellen ist in Ordnung.

Genauso in Ordnung ist es aber auch, wenn sie diese nicht immer erfüllen können.

Könnt ihr meine Gedanken nachvollziehen? Geht es euch mit euren Kindern auch manchmal so? Ich freue mich über eure Rückmeldung im Kommentarfeld!

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  1. Da hast du recht, wir sind schließlich auch nur Menschen! Wichtig finde ich nur, ein Bewusstsein für die Situation der Großen zu haben und ihre Unterstützung nicht als selbstverständlich einzufordern. Das macht ihr ja super, wenn ihr sogar selber diese Erfahrung gemacht habt!
    Liebe Grüße zurück 🙂

  2. Mein Mann und ich haben beide jüngere Geschwister und verstehen daher nur zu gut, wie es ist der/die Älteste zu sein. Deshalb achten wir auch darauf, dass unsere Große nicht zu kurz kommt. Und trotzdem passiert es, dass wir in diese Elternfallen geraten. Eltern sind halt auch nicht perfekt 😉
    Liebe Grüße, Simone

  3. Oh, das kenne ich sehr gut. Wir haben 6 Kinder, die ältesten sind Zwillinge!!
    Das kann schon eine Herausforderung darstellen, denn auch sie, sind erst 11 Jahre. Doch das Wichtigste ist, dass wir Mütter erkennen, das unsere Ältesten zwischendurch Ich unsere schützende Hand brauchen!

  4. Liebe Michi, ich kann voll verstehen, dass du dir zusätzliche Gedanken um deine “einsame” Große machst. Das ist ja auch eine besondere Situation, in der sie sich befindet. Da macht man sich als Mama besonders viele Gedanken und vielleicht auch Sorgen. Die Pubertät kommt sicher noch dazu. Meine Große ist knapp 15 und pubertiert auch schon seit anderthalb Jahren. Das zehrt an den Nerven. Aber wenn ich zurück denke gab es auch bei mir eine Zeit als Teenager, in der ich so drauf war wie sie – das macht mir Mut für die Zukunft 🙂
    Ich wünsche dir und deinen Kindern alles erdenklich Gute und viel Kraft weiterhin!
    Liebe Grüße
    Viola

  5. Ohja, liebe Viola, das kenne ich nur zu gut! Bis auf ein paar Dinge die bei uns erschwerend dazu kommen: meine Große (bald 14) ist nur die Halbschwester ihrer drei kleinen Geschwister und sie wohnt im zwei wochenwechsel bei ihrem Papa und mir. Das macht es für uns alle nicht leichter. Und sie ist zudem sehr autonom und lässt sich nicht klassisch erziehen. Was mich oft auf die Palme bringt, ist wenn sie scheinbar grundlos ihre Geschwister ärgert, ihren Frust an ihnen auslässt oder sie so richtig aufpeitscht, wenn sie doch abends zur Ruhe kommen sollen. Da merke ich, wie mir (und meinem Mann) oft das Verständnis fehlt. Und ich frage mich, wie vernünftig muss man mit knapp 14 sein? Anders als deine großen, war meine 7 Jahre Einzelkind und mit mir ganz allein. Wir hatten eine sehr enge Bindung. Sie sagt, sie wünscht sich oft unsere Zweisamkeit zurück und ich kann sie so gut verstehen. Manchmal zerreißt es mir das Herz, weil ich nicht allen gerecht werden kann. Weil einfach die Kleinen so viel mehr Aufmerksamkeit brauchen und fordern. Andererseits, hatte sie soviele Jahre exclusiv mit mir. Soviel, wie kein anderes meiner Kinder. Aber das ist nur ein Aspekt. Ich versuche auch meinem Mann zu vermitteln, dass sie noch ein Kind ist. Der sieht sie auch aus ganz anderen Augen, obwohl er sie kennt seit sie 5 ist. Sie ist eben die Große. Die einsame Große. Die sich oft selbst im Weg steht und sich oft auch nicht integrieren will. Zumindest sieht es so aus. Es ist eben auch Pubertät. Sie muss sich ja auch abgrenzen, vor allem von unserer engen Bindung. Das darf man halt auch nicht vergessen.

  6. Ja, es geht mir oft ganz genauso. Liegt wohl daran, dass es auch hier 2 Große gibt und dann folgt mit größerem Altersabstand die Jüngste. Ich kann Deine Gedanken und den Zwiespalt sehr nachvollziehen! Nicht immer einfach, den Großen auch gerecht zu werden, finde ich! Liebe Grüße, Carolin

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