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Familienleben | Mamaleben

Coronaeltern in den Medien: Laut werden für die leisen Stimmen der Familien

Mai 4, 2020

Letzte Woche habe ich einen Beitrag mit dem Titel “Keine Perspektive für Kita und Co: Wie Coronaeltern alleine gelassen werden” veröffentlicht. Dieser Artikel hat hohe Wellen geschlagen und ist von meinem Blog direkt in die BILD Zeitung gewandert. Nun kann man über die BILD ja sagen was man will, aber Reichweite hat sie. Grund genug also, meine Gedanken und mein Gesicht für dieses wichtige Thema öffentlichkeitswirksam zu präsentieren.

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BILD Zeitung vom 30. April 2020

Viola Herrmann Bloggerin Coronaeltern Autorin

Die Resonanz auf meinen Beitrag war überwältigend. Auf dem Blog, bei Instagram und über unzählige direkte Emails haben sich Eltern bei mir gemeldet, die sich sonst von der Politik nicht gesehen fühlen: Mütter, die seit Wochen versuchen Homeschooling, Haushalt, Homeoffice und Kleinkinder unter einen Hut zu bringen und doch das Gefühl haben, täglich zu scheitern. Väter, die außer Haus arbeiten gehen und abends versuchen, ihre völlig erschöpften Frauen irgendwie aufzufangen. Die nach dem Abendessen mit ihren Kindern Schulaufgaben erledigen oder kontrollieren und dabei selber nie abschalten können. Dazu noch viele Großeltern, die sich mittlerweile über das Kontaktverbot hinweggesetzt haben, um ihre Kinder mit den Enkelkindern zu unterstützen. Die bewusst ein eigenes Risiko eingehen, da die aktuelle Situation akute Probleme für ihre Familienangehörigen mit sich bringt.

Jeder Kommentar ein Schicksal, jede E-Mail ein ausgeschüttetes Herz.

Allen ist gleich, dass sie sich in ihrer momentanen Lage als Coronaeltern nicht gesehen fühlen. Dabei gibt es keine Beschwerden über die ersten paar Wochen, über die herausfordernde Zeit der Umstellung ab Mitte März. Natürlich waren diese Maßnahmen nötig und natürlich haben wir unser Leben dementsprechend umgestellt – so der allgemeine Tenor.
Es gibt ein grundlegendes Verständnis für die angeordneten Corona-Maßnahmen. Doch es gibt auch Fragen, die sich zunehmend aufdrängen: Wann wird es konkrete Erleichterungen für Eltern geben? In welchem Zeitraum können wir mit Kita- und Schulöffnungen rechnen? Welche Modelle werden für die einzelnen Altersklassen angedacht? Dürfen wir uns vorher mit der Betreuung in privaten Kleingruppen gegenseitig unterstützen?

Nein, das ist nicht leicht zu beantworten. Und nein, es wird auch kein Patentrezept geben. Genauso wenig wie es für den Einzelhandel, die Autoindustrie und sämtliche von Corona betroffene Branchen ein Patentrezept gibt. Kein Elternteil verlangt überstürzte Öffnungen.

ABER: Es müssen konkrete Konzepte erarbeitet werden, die Eltern eine echte Perspektive bieten. Da kann seitens der Politik nicht von einer schrittweisen Kita- und Schulöffnung nach den Sommerferien gesprochen werden. Das ist keine Perspektive, das ist für viele Familien eine Katastrophe. Und wenn es wirklich so lange dauern wird, schrittweise zur Normalbetreuung zurückzukehren, dann müssen für die Zeit bis dahin andere Angebote angedacht und umgesetzt werden. Denn viele Eltern und viele Kinder werden es schlichtweg nicht bis August oder September aushalten.

Soziale Spätfolgen bei Kindern und Eltern

Ich mache mir Sorgen um die Kinder, die kein behütetes Zuhause haben. Die momentan ausschließlich Familienstrukturen ausgesetzt sind, die ihnen nicht guttun oder sie vielleicht sogar schädigen. Ein schier unerträglicher Gedanke, wenn man seine eigenen Kinder hegt und pflegt wie einen Schatz. Wie stehen Kinder diese Zeit durch und welche Folgeschäden werden sie davontragen? Ich denke, dass die sozialen Auswirkungen dieser Corona-geprägten Monate noch überhaupt nicht absehbar sind.

Dazu der massive Druck, der auf Coronaeltern lastet. Wirtschaftliche Sorgen, teilweise konkrete Existenzängste, permanente Überlastung durch den immerwährenden Einsatz als Arbeitnehmer oder Elternteil. Viele Beziehungen werden diese Phase nicht überstehen. Verlierer sind alle Familienmitglieder: Mütter, Väter und Kinder.

Eigentlich sind wir so viele. Aber unsere Stimme ist immer noch viel zu leise.

Eure Ideen, Kommentare und Anmerkungen sind wie immer herzlich willkommen – am besten direkt ins Kommentarfeld!

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  1. Liebe Viola, du sprichst mir aus der Seele. Es ist wirklich abenteuerlich, dass home office und Kinderbetreuung jetzt irgendwie parallel grauenhaft werden sollen…

    Leider stimme ich dir zu: die sozialen Spätfolgen sind noch kaum abzusehen. Vor einigen Wochen kam eine Frau auf mich zu, deren Mann nicht bei der Geburt dabei sein durfte. Sie war vollkommen panisch. Ich hab mir das Erlebnis von der Seele geschrieben: https://ichgebaere.com/2020/05/09/kannst-du-was-tun-erfahrungsbericht-einer-geburt-waehrend-der-corona-pandemie/

    Herzliche Grüße, Katharina

  2. Kindergärten und Schulen sind seit 6 Wochen geschlossen; nur eine Notbetreuung für die Kinder der Eltern, welche einen systemrelevanten Beruf ausüben, wird gewährleistet.
    Welcher Beruf ist eigentlich nicht systemrelevant?
    Wie geht es den Eltern, die im Home-Office mehr home statt Office leisten? Die ihre Kinder in einen Kindergarten geben müssen, in denen ihre Kinder vorher noch nie waren?
    Welche Bedürfnisse haben die Kinder und deren Familien?
    Welchen Stellenwert misst man ihnen bei?
    Welche Rechte haben Kinder?
    Eine Situation, in der Familien überfordert und alleingelassen werden!

    Auf genau diese Gedanken bin ich in meinem Artikel eingegangen, der perfekt zu deinem passt:
    https://beduerfnisorientiertesfamilienleben.com/2020/05/02/folgen-sozialer-isolation-fuer-kinder-und-deren-familie/

  3. Hallo Andrea,
    wie spannend, etwas aus Österreich zu erfahren! Da sind wir alle gleichermaßen betroffen und dann gibt es doch wieder einige regionale Unterschiede. Klar, verlinke meinen Beitrag gerne. Ich hoffe sehr, dass ich euer schönes Land in den Sommerferien besuchen darf, da freue ich mich nämlich schon sehr drauf!
    Herzliche Grüße und bleib gesund,
    Vioa

  4. Hallo Viola,

    Habe deinen Blogbeitrag erst jetzt gelesen. Bei uns in Österreich ist die Situation so ähnlich. Meine Kinder sind aber zum Glück bereits seit letzter Woche wieder 2-3 Tage im Kindergarten (nach 8 Wochen Pause). Es war sehr anstrengend für uns alle zuhause! Ich hab damals dazu auch einen Beitrag auf meinem Blog geschrieben https://feeling-better.blog/2020/04/24/the-good-enough-mother/
    Hier hab ich die Dinge notiert, die mir persönlich damals geholfen haben.

    Ich würde gerne deinen Blogbeitrag auf meinem verlinken, da ich ihn sehr wichtig finde und er Dinge enthält, die ich ausgeklammert habe.

    Auch ich mach mir Sorgen über die Spätfolgen dieser Krise, v. a. da ich selbst mit Jugendlichen arbeite.

    Alles Gute und toitoitoi nach Deutschland
    Andrea

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