Zwillinge

Das erste Jahr mit Zwillingen: Tipps für 365 einzigartige Tage

Januar 3, 2019

Auweia, Zwillinge! Das ist bestimmt anstrengend, oder? Wer kennt sie nicht, diese klugen Sprüche von Mitbürgern, die spontan auf eine Zwillingsschwangerschaft oder die ersten Monate mit Zwillingsbabys reagieren. Die Antwort: Ja, es ist anstrengend. Aber zwei Babys sind auch ein wundervolles Geschenk.

Meine Zwillinge wurden als 3. und 4. Kind geboren – ich habe also schon so einige Nächte durchgemacht, Stillprobleme erlebt und mich bis zur völligen Erschöpfung verausgabt. Meine Erfahrungen habe ich in diesen 5 Tipps zusammengefasst. Auch wenn es noch mindestens 50 weitere gäbe, hoffe ich doch, dass sie euch helfen, das erste Jahr mit Zwillingen mit Freude und vielen glücklichen Momenten zu erleben.

Tipp 1: Schlafen

Schlafmangel ist wohl das größte Problem im ersten Jahr mit Zwillingen. Natürlich kann es auch danach noch schwierig sein und so richtig ausgeruht fühlt man sich in den ersten Jahren nur selten. Deshalb ist es wichtig, so viel vom wenigen Schlaf wie möglich zu bekommen. Buchstäblich jede Sekunde zählt. Aber wie stellt man das an?

Meine ganz große Empfehlung an euch liebe Zwillingsmamas: Schlaft in Etappen! Wechselt euch mit eurem Partner ab und zwar in einem System, das für euch beide (den Umständen entsprechend) funktioniert.

Bei mir hat sich das folgende System bewährt: Ich habe mit meinen Zwillingsmädchen die Nacht verbracht. Sie schliefen in ihren Beistellbettchen oder nach dem Stillen bei mir im Bett ein. Dort hatte ich zur Sicherheit einen kleinen Bereich mit dem Stillkissen abgetrennt, so dass keine Erstickungsgefahr für die Kleinen drohte.

Aufgestanden bin ich in der Nacht nur, wenn die Windel rappelvoll war, oder ein Baby sich nicht anderweitig beruhigt hat. Dabei habe ich immer darauf geachtet, nur eine kleine Notbeleuchtung einzuschalten. So gewöhnen sich die Zwerge eher an den Tag/Nachtrhythmus.

Wenn die beiden dann zumeist gegen 5Uhr wach waren, habe ich meinen Mann geweckt. Der hat dann auf die Zwillinge vor seinem Arbeitsbeginn aufgepasst, während ich zumindest noch ein wenig ungestörten Schlaf genießen konnte.

Freunde von mir haben sich die Schlafzeiten mit ihren Zwillingsbabys ebenfalls aufgeteilt, wenn auch ganz anders. Laut ihrer Regelung durfte ein Elternteil bis 1Uhr schlafen, dann übernahm das andere bis morgens um 6h.

Hier gibt es überhaupt kein richtig oder falsch. Versucht selber herauszufinden, welches Modell am ehesten zu euch und eurem Lebensrhythmus passt. Hauptsache schlafen – egal, wann und wie!

Tipp 2: Teamwork

Bei Zwillingen müssen beide Elternteile ran. Die Versorgung von zwei Babys alleine zu bewältigen ist eine Mammutaufgabe. Also ganz klare Ansage an alle Papas, die vielleicht meinen, es nicht so mit Windeln wechseln etc. zu haben: Springt über euren Schatten, ihr seid gefragt!

Viel zu oft übernehmen wir Mütter automatisch auch Aufgaben, die der Vater ebenso wunderbar erledigen könnte. Da muss Mama sich selber zur Ordnung rufen, dem Papa vertrauen und delegieren, was delegiert werden kann. Vielleicht macht der Partner es erstmal nicht so gut, wie man es selber machen würde. Vielleicht macht er es nur anders, was auch nicht immer schlecht sein muss. Schließlich braucht jeder ein bisschen Zeit, um in diese neue Rolle hineinzuwachsen.

Ich habe meinen Mann immer per Handy im anderen Zimmer angerufen, wenn er zum Füttern oder Wickeln kommen sollte. Hat er dann auch gemacht. Zwar schlaftrunken und mit nur einem offenen Auge – das hat aber gereicht. Somit war die Aufgabe in der Hälfte der Zeit erfüllt und, was ich fast noch wichtiger finde, ich habe mich nicht alleine gefühlt, sondern wusste einen Verbündeten an meiner Seite. Moralischer support, sozusagen 😊

An dieser Stelle möchte ich allen alleinerziehenden Zwillingsmamas meinen allergrößten Respekt aussprechen. Ihr habt meine absolute Hochachtung vor eurem Dauereinsatz! Natürlich geht alles irgendwie, wenn es muss. Aber ich kann mir kaum vorstellen wie kräftezehrend es sein muss, immer für zwei Babys alleine zuständig zu sein.

Tipp 3: Füttern nach Bedarf

Nun habe ich bei meinem ersten Tipp vom Stillen gesprochen, beim zweiten vom Zufüttern. Ja, was denn nun? Ganz einfach: Das, was funktioniert. Ganz ohne Dogma, ohne Zwang, ohne Druck von außen. Ich habe bereits einen ausführlichen Blogpost zum Thema Zwillinge stillen – Ja, aber bitte ohne Druck verfasst, und der Inhalt ist wirklich eine Herzensangelegenheit von mir.

Nichts ist schlimmer, als wenn die Milch nicht fließt, eure Babys dauernd schreien, ihr ewig an der automatischen Milchpumpe hängt, erschöpft seid und trotzdem nicht genügend produziert. Glaubt mir, ich habe es so bei meiner ersten Tochter erlebt und habe mir damals geschworen: Nie wieder!

Zweifelsohne ist Muttermilch das beste für eure Babys. Perfekt auf den Nachwuchs abgestimmt, dazu transportabel und optimal temperiert. Toll, wenn es so klappt, dann solltet ihr dieses Geschenk von Mutter Natur dankend annehmen, die Kuscheleinheit genießen und eure Kinder mit diesen kostbaren Nährstoffen versorgen.

Sollte die Milch aber nicht ausreichend vorhanden sein und sich auch durch mehrere Versuche nicht genügend anregen lassen, dann greift auf Milchpulver in Fläschchen zurück. Es gibt mittlerweile so viele gute Babynahrung, dass man diese absolut ohne Schuldgefühle nutzen kann.

Ich habe immer probiert, meinen Zwillingen möglichst viel Muttermilch zukommen zu lassen. Von Anfang an konnte ich nicht voll stillen, es war einfach nicht genug da. Doch abwechselnd mit geeigneter Flaschennahrung habe ich es zumindest auf vier Monate Teilstillen gebracht. Für mich ein Erfolg, auf den ich stolz bin.

Das Gefühl, als Mutter versagt zu haben? Kenne ich noch gut vom ersten Kind. Ich kann euch nur raten: Macht euch frei davon! Keine Mutter ist besser oder schlechter, weil sie stillt oder zufüttert. Und wenn ihr permanent durch eure fehlende Milch gestresst seid, überträgt sich das auch auf eure Babys. Dann lieber mit dem Fläschchen zufüttern, dabei kuscheln und ruhig durchatmen.

Die so oft befürchtete Saugirritation gab es bei meinen Zwillingen übrigens nie. Sie haben problemlos zwischen Brust und Sauger gewechselt.

Tipp 4: Den Haushalt liegen lassen

Die Babys schlafen endlich mal? Super! Dann räume ich jetzt nur noch die Geschirrspüle ein, wische einmal über den Küchentisch und schon sieht alles wieder schön aus. Ach ja, die Waschmaschine wollte ich ja auch noch schnell einschalten… STOPP! So bitte nicht!

Aus bitterer Erfahrung habe ich gelernt, dass jede – und ich meine wirklich jede – Sekunde Ruhe zählt. Sobald also die Zwerge mal tagsüber wegdösen, macht ihr bitte das gleiche. Und zwar sofort! Fängt man erstmal mit irgendwelchen Haushaltstätigkeiten an, dann kommt man ganz schnell vom Hundertsten ins Tausendste.

Hier schnell räumen, da mal eben wischen…und schon sind die Kleinen wieder wach. Es ist doch egal, wenn es zwischenzeitlich mal etwas wilder Zuhause aussieht. Wichtig ist im ersten Lebensjahr eurer Zwillinge ausschließlich, dass IHR bei Kräften bleibt. Und da helfen auch 30 Minuten ausruhen auf dem Sofa, oder einfach mal kurz ohne Geräuschkulisse die Augen schließen enorm.

Tipp 5: Hilfe annehmen

Fällt es euch schwer, von anderen Menschen Hilfe anzunehmen? Mir schon. Ich denke immer, dass ich alles alleine schaffe, und möchte auch nicht die anderen mit meinen Problemchen „belästigen“. Falls es euch ähnlich geht, kann ich euch nur raten: Vergesst diesen Unsinn!

Klar, irgendwie schafft frau es immer alleine. Aber zu welchem Preis? Völlig k.o., erschöpft und ohne Freude an diesen zwei entzückenden Lebewesen, die sich jeden Tag ein Stückchen weiterentwickeln. Leider kann man diesen Zauber oft gar nicht genießen, weil man einfach nur fix und fertig ist. Das ist nur menschlich, aber auch sehr schade. Denn im Nachhinein werdet ihr merken, wie schnell die Zeit vergangen ist – und wie schnell eure Babys zu Kleinkindern herangewachsen sind.

Also nehmt Hilfe an, sobald sie euch angeboten wird! Eure Nachbarin kocht etwas mehr vom Mittagessen für euch mit? Dankeschön, her damit! Eure Schwiegermutter kann mit dem Kinderwagen spazieren gehen? Bitte sehr, gerne noch 10 Minuten dranhängen. Der Besuch, der die süßen Zwillingsbabys bewundern will, bringt den Kuchen selber mit? Genau, nur so funktionieren momentan Einladungen.

Letztlich liegt die komplette Verantwortung für eure Zwillinge bei euch. Das kann euch niemand abnehmen. Aber eine gewisse Erleichterung, die könnt ihr euch auch mit kleinen Dingen verschaffen. Ruhig mal über den eigenen Schatten springen und im Freundeskreis nachfragen, wer mal ein Stündchen Zeit für die Babys erübrigen kann. Währenddessen könnt ihr nebenan einfach mal die kurze Zeit ohne Kinder genießen – und euch danach umso mehr wieder über sie freuen!

Ich wünsche euch für das erste Jahr mit euren Zwillingen viel Kraft. Glaubt mir, ich weiß wie anstrengend es ist. Aber jeder Tag ist auch so unendlich kostbar. Auf einmal schaut ihr euch Fotos an und denkt: Was, so klein waren die mal? Ach Gott, wie niedlich! Tja, und dann ist die Babyzeit auch schon wieder vorbei.

Versucht, jeden einzelnen Tag zu genießen – und wenn es nur kleine, wertvolle Momente sind. Zwillinge sind ein ganz besonderes Geschenk und die ganze Energie, die ihr in sie investiert, bekommt ihr später mehr als doppelt zurück. Vier kleine Arme, die sich um euch schlingen und sagen: Ich hab dich lieb, Mama! … das wiegt jede durchgemachte Nacht doppelt und dreifach wieder auf 😊

Habt ihr noch weitere Tipps oder Fragen an mich? Ich freue mich über jeden Kommentar und antworte umgehend – versprochen!

Hier noch ein paar Beiträge, die ebenfalls wichtig für euch Zwillingseltern sind:

Erstausstattung für Zwillinge: Die wichtigsten Basics

Zwillinge stillen? Ja, aber bitte ohne Druck
Fieberkrampf – Tipps für eine unterschätzte Gefahr
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  1. Liebe Birgit, herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar! Das freut und motiviert mich sehr! Zwillis kommen ganz gerne mal überraschend, das habe ich ja auch gemerkt 🙂 Alles Gute für dich und deine große Familie 🍀

  2. Liebe Viola, ich bin gerade zufällig über den Artikel über Zwillinge im ersten Jahr gestolpert…was soll ich sagen: ich Stimme deinen Ratschlägen zu 110% zu ;o) Toll das du Mut machst eigene Lösungen zu finden und für die eigene Familie passende Wege zu beschreiten.
    Unsere Zwillinge sind absolut überraschend als 5. und 6. Kind in unsere Familie gestolpert. Mittlerweile sind die beiden schon vier und das Leben ist jeden Tag spannend und aufregend, anstrengend und lustig, einfach kolossal wunderbar !!
    Ganz liebe Grüße, Birgit

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