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Baby | Mamaleben

Einsam mit Baby: Wenn Mama nie alleine ist – und sich doch verlassen fühlt

August 19, 2019

Sich einsam fühlen mit Baby, ist das nicht ein Widerspruch in sich? Nein, leider nicht. Jedenfalls habe ich es anders erlebt und ich glaube, dass ziemlich viele Mamas das nachempfinden können. Dabei geht es nicht um die physische Einsamkeit, denn schließlich begleitet ein Baby seine Mutter den ganzen Tag. Vielmehr ist es eine psychische Isolation, die Kraft raubt und einen von der Umwelt abschottet. So war es zumindest bei meinem ersten Kind…

Meine Tochter war ein absolutes Wunschkind. Ich hatte mir immer ein Mädchen gewünscht und dass ihr Geburtstag im Sommer liegen sollte, freute mich ganz besonders. Herrlich, dachte ich mir, mein Baby wird bei lauen Sommertemperaturen friedlich in seinem Kinderwagen schlafen, während ich im Café sitze und entspannt den Sonnenschein genieße.

Wunsch vs Wirklichkeit

Ein Neugeborenes verschläft ja anfangs ohnehin den Großteil des Tages, da könnte ich es mir auch mit Baby und diversen Frühstücks-Verabredungen gemütlich machen. Zwischendurch meine Tochter nach Bedarf Stillen, ein wenig auf dem Arm wiegen und dann wieder gemütlich in ihrem Wägelchen zum Einschlafen bringen. Das war mein Plan und ich freut mich darauf, ihn in die Tat umsetzen zu können – bis ich von der Realität eines Besseren belehrt wurde.

Aufgrund meiner Schwangerschaftsdiabetes (darüber gibt es hier den ausführlichen Bericht) wurde die Geburt meiner Tochter drei Tage nach ET eingeleitet. Als ich endlich mein Baby im Arm hielt stand die Welt still und ich hätte nicht glücklicher sein können – ihr wisst ja, wie sich das anfühlt. Sie war proper und vollkommen gesund und so konnten wir das Krankenhaus bereits zwei Tage später wieder verlassen.

Ich fühlte mich bereits kurz nach der Entbindung wieder recht fit und wollte natürlich auch voller Stolz der Welt mein kleines Mädchen präsentieren. Also raus an die frische Luft, Baby sicher im Kinderwagen gebettet und ab ins nächste Café. Tja, und da saß ich exakt bis zu dem Moment, in dem mein Cappuccino vor mir abgestellt wurde.

Das Baby schläft…leider nicht

Mein Baby wachte auf, war unruhig, weinte und ließ sich nicht beruhigen. Auf- und ablaufen mit ihr im Fliegergriff half ein wenig, aber letztlich war die Situation so weder für sie noch für mich angenehm. Also ab nach Hause in die vertraute Umgebung, um ihr Ruhe und Entspannung zu ermöglichen.

Allerdings halfen auch die heimischen vier Wände wenig. Sie blieb unruhig, schlief wenig und wenn dann nur kurz und weinte viel. Meinem ersten Ausflugsversuch folgten noch eine Handvoll anderer, die jedoch allesamt scheiterten. Sobald ihr Kinderwagen zum Stehen kam, wachte sie auf. Wie ein kleiner Sensor erkannte sie jeden Stopp – und somit auch jede Möglichkeit für mich, mich einmal hinsetzen und durchatmen zu können.

Als Mama im Dauereinsatz

Nein, an durchatmen war in den ersten Monaten mit ihr nicht zu denken. Und so versiegten auch meine Kontakte zur Außenwelt. Ich fühlte mich zunehmend einsam, obwohl ich doch 24/7 Gesellschaft hatte. Mir fehlten meine sozialen Kontakte, doch ich wollte mein Baby nicht mit langen Ausflügen überfordern. Natürlich hätten meine Freundinnen auch zu mir kommen können und vereinzelt taten sie das auch. Ist aber auch schwierig, wenn man keinen Satz reden kann und sich dann doch wieder alles ums Baby dreht…

Mein Mann arbeitete zu dieser Zeit in einer anderen Stadt, so dass ich die komplette Woche über alleine mit meinem Baby war. Wenn sie endlich, endlich abends schlief war ich einsam. Wenn sie wach war und schrie war ich auch einsam. Häufig weinte ich dann zusammen mit ihr, aber was nützte das? Es ging uns beiden nicht gut, doch als Mama war es meine Aufgabe, ihr Halt und bedingungslose Liebe zu geben.*

Dabei war es in mir so leer, denn ich fühlte mich alleine und verlassen vom Rest der Welt. Diese Zeit hat mich viel Kraft gekostet. Nie hätte ich gedacht, dass ich mit meinem Wunschkind auf dem Arm so einsam sein würde. Aber so war es und es wird ein Teil unserer Geschichte bleiben. Das ist ok, ich habe meinen Frieden mit unserem holprigen Start geschlossen.

Veränderung: Langsam, aber sicher

Ich wünsche mir nur, dass ihr einsamen Mamas da draußen wisst: Ihr seid nicht alleine! Es geht nicht nur euch so, sondern vielen, vielen anderen Müttern mit kleinen Babys. Die ersten Wochen und Monate mit einem Neugeborenen können sehr hart und herausfordernd sein und leider auch ganz anders, als man sich das zuvor erträumt hat. Trotzdem kann ich euch aus eigener Erfahrung sagen: Es wird besser. Ganz langsam und gefühlt in Mini-Schritten schreitet die Zeit voran und es stellt sich ein zarter Hauch von Alltag ein.

Ihr lernt euer Baby jeden Tag besser kennen – und euer Baby euch. Diese Erfahrung wird euch helfen, euer Baby besser zu verstehen und schneller auf seine Bedürfnisse reagieren zu können. Und dann werden die magischen Momente, in denen die enge Bindung zwischen euch und eurem Kind ganz intensiv spürbar ist, immer mehr werden. Bis schließlich das Gefühl der Einsamkeit nur noch eine Erinnerung ist, die durch immer mehr Liebe und Zusammenhalt irgendwann ganz verblasst.

Ich wünsche euch und euren Babys von Herzen alles Liebe – auch (und gerade) in Zeiten, in denen eben nicht alles rund läuft und ihr dauernd vor neuen Herausforderungen steht. Meine vier Süßen sind jetzt (2x)4,11 und 14 Jahre und ich kann euch sagen, dass sich das Durchhalten wirklich gelohnt hat. Familie entwickelt sich und wächst zusammen – jeden Tag ein bisschen mehr.

Über eure Fragen oder Rückmeldungen freue ich mich wie immer sehr in den Kommentaren!

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  1. Liebe Christina, danke für deinen offenen Worte!
    Ich lese bei dir auch ganz viel Stärke, Liebe und Zuversicht, das finde ich toll!
    Von Herzen alles Gute für euch,
    Viola

  2. Hi Viola 🙂

    Ich danke dir so sehr für diesen Text. Er spiegelt so ziemlich genau die gleichen Gefühle wieder die ich auch hatte. Unsere Isabella kam am 13.08.19 zur Welt nach 3 Jahren Kinderwunsch und 2 Sternchen 🙁

    Die Geburt war auch sehr dramatisch. Einleitung genau wie bei dir wegen der SS Diabetes und weil die Maus ihre Nabelschnur abgedrückt hat beim damit spielen und dadurch die Herztöne einen Abfall hatten. Nach 30 Stunden Wehen dann Stillstand und Kaiserschnitt. Dabei stieg mir die PDA zu hoch und ich musste danach noch auf die Intensivstation. Also konnte ich unsere Maus erst nach 5 Stunden im Arm halten und war diese 5 Stunden auf der Intensivstation alleine nur mit einer Schwester die immer mal wieder kam 🙁 das hat mir einen totalen Knax verpasst….

    Nachdem wir zuhause waren hatte ich durch die Fehlgeburten andauernd Angst Isabella könnte etwas passieren und als sie immer mehr und öfter lange Schreiattacken hatte bekam ich Angst es könnte etwas nicht stimmen und mein Mann sagte ständig wie sollte mit ihr ins Krankenhaus. Am schlimmsten wurde es dann als er wieder arbeiten musste und ich komplett alleine war 🙁 ich konnte sie nie weglegen und selbst wenn sie auf dem Arm war wurde oft geschrien….ich hab auch so oft geweint weil ich körperlich und seelisch am Ende war. Aber genau wie du dachte ich NEIN das darfst du nicht du musst stark sein sie braucht dich du bist die Mama und hast so für sie gebetet.

    Mittlerweile ist sie fast 5 Monate und wir konnte diese Woche das erste mal alleine einkaufen fahren ohne dass geschrien wurde 🙂 und ich kann mich auch duschen während sie vor mir in der Wippe sitzt 🙂 es ist dennoch brutal anstrengend aber wird besser genau wie du gesagt hast 🙂

    Aber es ist nach der Kinderwunschzeit und die Zeit nach der Fehlgeburt das anstrengendste was ich je durchstehen musste und ich hatte so eine rosige Vorstellung wie es sein würde die absolut null mit der Realität zu tun hatte 😀

    Und dazu kenne ich leider nur Mütter bei denen es alles soooo toll läuft, Die babies nie schreien, durchschlafen und die Väter so einfühlsam und liebevoll sind -,- mir is klar das viele davon lügen aber dadurch fühlte ich mich auch noch als würde ich alles falsch machen und wäre eine schlechte Mutter 🙁

    Ich war so traurig weil wir so lange gekämpft haben und nun empfand ich kein Glück oder Freude sondern nur Angst, Einsamkeit, Stress, Überforderung, Verzweiflung.

    Aber es zahlt sich dann alles aus wenn unsere Maus mich anstrahlt und mir dieses gefühl gibt dass sie sich bei mir so wohlfühlt und mir dankbar dafür ist dass ich immer für sie da bin 🙂

    Ich fand das am Anfang so schlimm dass sie so teilnahmslos war und entweder schlief oder schrie aber ansonsten ja null kommunizieren konnte und dann kommt es einem vor als wäre das Baby immer unzufrieden und man macht alles falsch.

    Noch eine Frage an viola, wurde es beim zweiten Kind besser :-/ weil ich Angst habe dass es dann mit einem zweiten Kind noch schwieriger wird und Isabella soll kein Einzelkind bleiben das wäre traurig 🙁

    So jetz hab ich genug gequasselt:)

    Ich wünsch allen Mamas die Kraft das durchzustehen 🙂 es wird besser und dann folgt ein ganzes Leben voller Glück Freude und sooo viel liebe die man zurück bekommt!!

    Ihr seit nicht alleine und eure Gefühle sind ganz normal <3

  3. Liebe Mareike, ich kenne deine Unzufriedenheit, hab ich selber erlebt.
    Ich weiß, dass es momentan schwer zu glauben ist, aber die Situation wird sich auch für dich wieder entspannen. Und dann guckst du dich um und fragst dich, wo die Zeit geblieben ist 🙂
    Alles Liebe und gute Nerven,
    Viola

  4. Ich bin grad selbst an diesem Punkt. Habe 3 Kinder im Alter von 16 und 3 Jahren und der jüngste ist jetzt 6 Monate. Ehrlich gesagt bin ich grad ziemlich unzufrieden mit dem da sein in der Elternzeit da der kleinste mich seid einiger Zeit nicht mal ins Bad gehen lässt ohne Theater zu machen. Ich hab das Gefühl eigentlich meinen Tag nur Rum zu sitzen und nix zu tun außer mit ihm auf dem Boden zu sitzen. Bin echt frustriert und hoffe das es auch hier bald wieder besser wird. Danke für den aufbauenden Text

  5. Liebe Vreni, ja, bei mir würde es auch mit jedem Kind besser 😊 Die Umstellung am Anfang ist einfach hart. Aber schön, dass es euch allen zusammen gut geht 🍀

  6. Liebe Viola,
    wieder ein so schöner Text. Und so wahr. Als ich mein erstes Kind bekommen habe, hatte ich die gleichen Vorstellungen wie du. Aber obwohl der Kleine fast nur geschlafen hat und ich alles unternehmen konnte, was ich wollte, habe ich mich einsam gefühlt. Es ist ein langsamer Prozess, sich an das zu Hause sein zu gewöhnen und einen ganz anderen Tagesablauf. Selbst mit zwei Kindern und viel Stress, war das Gefühl manchmal da. Beim dritten Kind war es dann ganz weg. Als ich mit ihm zu Hause war, habe ich es einfach nur genossen 🙂
    Liebe Grüße
    Vreni

  7. Liebe Melanie, das wird es! Und es wird wunderschön. Die Liebe und Kraft, die du jetzt investierst wirst du zigfach zurück bekommen- und du verdienst sie ganz, ganz doll!! Alles Gute für dich, Viola

  8. Ganz toller Text. Ich hoffe du hast recht. Mein kleiner ist 17 Monate alt. Ich bin alleinerziehend. Ich fühle mich auch sehr einsam und momentan hält mich nur die Hoffnung aufrecht, dass eines Tages alles besser wird.

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