Mamaleben

Das Freibad, mein rotes Mama-Tuch

August 6, 2018

Mein Sohn ist jetzt 10 Jahre alt und seit zwei Jahren ist es immer das gleiche Spiel. Sobald die Temperaturen über 25* steigen, geht bei mir Zuhause das Gequengel los:
„Mama, ich will ins Freibad! Alle anderen dürfen da auch alleine hinfahren, wieso denn ich nicht?“

Na ja, Mama hat da so ihre Gründe.

Die meisten davon sind eher diffuse Ängste, die wohl alle Mütter umtreiben: Ich habe Angst davor, dass er von einem Fremden angesprochen wird, der nichts Gutes im Sinn hat. Angst, dass er trotz seines guten Schwimmens untergeht und von niemandem rechtzeitig bemerkt wird. Angst, dass ihm auf dem Weg dorthin ein Unfall passiert.

Normalerweise bin ich überhaupt kein ängstlicher Mensch. Auch dann nicht, wenn es um meine Kinder geht. Ich traue ihnen viel zu und bin davon überzeugt, dass ihr Schutzengel sie immer begleitet.

Aber das Freibad ist für mich irgendwie ein rotes Tuch.

Woher kommt das wohl? Als Kind war ich andauernd im Freibad – nicht alleine, aber auch nicht mit meiner Mutter. Sie hat mich anstandslos mit meinen Freunden ziehen lassen und ich habe zum Glück nie eine Situation erlebt, die mir irgendwie unangenehm gewesen wäre.

Ist man mittlerweile so verängstigt durch die regelmäßige Berichterstattung darüber, welcher Vorfall sich wieder in irgendeinem Freibad ereignet hat? Oder haben mich die ganz persönlichen Erfahrungen der letzten Monate verändert?

Der Albtraum jeder Mutter

Kürzlich wurde das Kind einer Erzieherin beerdigt. Es hatte im Auto der Großeltern einen Autounfall erlitten und diesen nicht überlebt. Der blanke Horror, auch für Außenstehende. Ich habe mir ja schon häufig Gedanken darüber gemacht, wie man mit Kindern über den Tod sprechen kann. Aber so ein Vorfall bringt einen dann doch an die eigenen Grenzen.

Nun ist mir natürlich bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit für meinen Sohn, beim Weg ins Freibad tödlich zu verunglücken, verschwindend gering ist. Trotzdem, ein Stückchen Angst bleibt. Genau so, wie sie bei seinem Schulweg oder anderen eigenständigen Unternehmungen bleibt.

Wer hat Angst vor`m bösen Mann?

Ich! Schließlich möchte ich nicht, dass meinem Kind etwas Schlimmes widerfährt und es darüber ein Leben lang nicht hinwegkommt. Leider gibt es einfach viele Idioten, die ihre Zeit besser nicht im Dunstkreis von halbnackten Kindern verbringen sollten.

Andererseits: Ganz alleine wäre mein Sohn ja nie, das wäre ihm viel zu langweilig und ich würde es auch nie und nimmer erlauben. Also wie wahrscheinlich ist es, dass sich jemand einer Gruppe von Kindern nähert? Ich denke mal nicht so sehr. Hoffe ich zumindest…

Dennoch muss ich ihn ziehen lassen

Wisst ihr, manchmal bin ich fast froh, wenn mich meine kleinen Zwillinge in der Nacht mal wecken. Sie schlafen nach kurzer Beruhigung wieder ein und ich genieße dann für ein paar Minuten die wunderbare Ruhe und Sicherheit, die meine Lieben umgibt. Ein schönes Gefühl.

Aber Leben bedeutet lernen und (geistig) wachsen und dafür will ein Leben auch gelebt werden – nicht verschlafen. Also lasse ich meinen Sohn jeden Morgen los, schicke ihm ein Engelchen mit auf den Weg und vertraue darauf, dass schon alles gut gehen wird. Was bleibt mir auch anderes übrig?

36 Grad und es wird immer heißer…

Nein, bei insgesamt vier Kindern kann ich nicht jeden Besuch im Freibad begleiten. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass ich dort von meinen großen Kindern auch überhaupt nicht erwünscht bin 😉

Also hat mein Sohn sich schließlich durchgesetzt. Versehen mit allem, was Mamas in solchen Situationen unnötiges sagen (pass auf beim Radfahren, schwimm nicht alleine…), hat er sich mit seinem Freund auf den Weg ins Freibad machen dürfen. Mit 10 Jahren und einem zumindest grundlegenden Verständnis für Gefahrensituationen habe ich ihn alleine ziehen lassen.

Nach vier Stunden war er wieder da. Glücklich, ausgepowert und Pommes-satt. Alles gut gegangen. Und so wie der Wetterbericht für die kommende Zeit aussieht, werde ich in den nächsten Tagen noch öfter springen müssen: Über mein rotes Mama-Tuch Freibad, bei dem wahrscheinlich immer ein bisschen Sorge übrigbleiben wird.

Was meint ihr: Freibad mit Freunden ja oder nein? Oder habt ihr andere „rote Tücher“, die euch als Mamas besonderes Kopfzerbrechen bereiten? Ich bin gespannt auf eure Kommentare 😊

 

 

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  1. Ich kann deine Ängste gut nachvollziehen, aber ich finde deine Entscheidung auch genau richtig, dass du ihn mit 10 Jahren zusammen mit Freunden alleine zum Freibad ziehen lässt.
    Liebe Grüße von Snyggis -dem kreativen Familienblog

  2. Das stimmt 😉 Man kauft halt das Gesamtpaket von Sorgen bis Glück bei den kleinen Schätzen mit. Aber missen möchte man sie ja auch nicht mehr…

  3. Das kann ich so gut verstehen. Ich glaube, erst wenn man ein eigenes Kind hat, dann kann man diese Ängste nachvollziehen. Irgendwie müssen wir Eltern uns wohl damit abfinden, dass wir nie wieder ohne Angst leben werden. Das ist so hart. Wie leicht das Leben doch früher ohne Kinder war.😅

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