Kinder ipad Restaurant
Familienleben

Kinder mit Tablet im Restaurant: Muss das sein?

Juli 12, 2019

Mit der ganzen Familie im Restaurant zu essen ist für mich ein kleiner Luxus. Zum einen ist es natürlich weitaus teurer, als für sechs Personen Zuhause zu kochen. Zum anderen ist die schöne gemeinsame Familienzeit für mich ein Luxus: Jeder freut sich auf ein Gericht seiner Wahl, alle sitzen zusammen am Tisch und es gibt genügend Zeit, um sich in Ruhe miteinander zu unterhalten.

Auch meine vierjährigen Zwillinge freuen sich auf unsere Restaurantbesuche, denn natürlich achten wir darauf ein Lokal auszusuchen, bei dem es auch für ihren Geschmack etwas Leckeres zu essen gibt.

Immer wieder fallen mir dabei Kinder auf, die mit Tablet oder Handy vor der Nase am Tisch sitzen und vom Gespräch der Eltern überhaupt nichts mitbekommen. Auch Geschwister sitzen so ausgestattet teilnahmslos nebeneinander und starren auf den kleinen Bildschirm vor ihnen, anstatt sich miteinander zu beschäftigen.

Das Tablet als Präventionsmaßnahme

Während unseres letzten Urlaubs fielen mir vor allem Kleinkinder auf, die mit großen Kopfhörern auf das Geflacker vor ihnen starrten und dabei fast vergaßen, ihr Frühstück zu essen. Wohlgemerkt: Ihr Frühstück! Es ging nicht darum, übermüdete Kleinkinder abends noch ein wenig zu beschäftigen, sondern das Tablet wurde quasi präventiv eingesetzt. Die Eltern unterhielten sich und genossen die traumhafte Aussicht, während das Kind gänzlich von seinem Tablet eingenommen war.

Ich finde das merkwürdig. Warum sollten Kinder nicht lernen können, sich am Familientisch über einen gewissen Zeitraum auch ohne technisches Gerät ruhig zu verhalten? Ich habe ja selber vier Kinder und die haben durchaus impulsive Charaktere, welche sich natürlich auch während der Essenszeit bemerkbar machen. Trotzdem finde ich es wichtig, den Kindern Schritt für Schritt beizubringen, dass gemeinsames Essen einen Wert hat und dass es Regeln gibt, an die man sich gewöhnen muss.

Gesprächskultur lernen

Dazu gehört zum Beispiel, dass man jemanden ausreden lässt, ohne ihm dauernd ins Wort zu fallen. Oder dass man zuhört, auch wenn man selber gerne etwas sagen möchte. Genauso finde ich es wichtig für Kinder zu erfahren, dass ihre eigenen Berichte gehört werden. Dass ihre Meinung zu den Themen der Familie zählt und sie ein vollwertiger Teil des Familiengefüges sind.

Natürlich gelingt dieser Austausch nicht immer und ist zudem stark vom Alter des Kindes abhängig. Aber von vornherein abgeschirmt von der Außenwelt mit Kopfhörern und Tablet hat das Kind ja nicht mal die Chance, sich langsam an eine gemeinsame Essenskultur zu gewöhnen.

Um es ganz deutlich zu sagen: Meine kleinen Zwillinge müssen am Restauranttisch nicht sitzen wie zwei stumme Püppchen, absolut nicht. Sie lieben es, bei uns zu sitzen und zu malen, dabei zuzuhören und gerne auch ihre Meinung kundzutun. Klar, dabei rufen sie auch rein und unterbrechen das Gespräch, das wir mit den beiden Großen führen. Schlimm? Nein, überhaupt nicht. Ein Lernweg, der sich über Jahre hinweg entwickelt und bei jedem Restaurantbesuch vielleicht ein paar ruhige Minuten mehr erlaubt.

Sie malen natürlich auch nicht immer friedlich vor sich hin, sondern stänkern gerne auch mal miteinander und quengeln, wenn das Essen nicht nach 5 Minuten auf dem Tisch steht. Ganz normal, schließlich sind sie Kleinkinder und ihre Geduld ist dementsprechend begrenzt. Darauf muss man als Eltern reagieren, sich mit ihnen beschäftigen und sie ablenken. Sobald sie selber erzählen können, vergeht die Wartezeit wie im Flug und sie sind happy.

Das ist auch für Eltern anstrengender, als ein Tablet die Arbeit übernehmen zu lassen. Aber schließlich können Kinder nur durch Interaktion lernen, nicht durch die Abschottung, die Tablet plus Kopfhörer zwangsläufig mit sich bringen.

Sinnvoller Einsatz

Natürlich mag es Ausnahmen geben, in denen ein Tablet auch im Restaurant sinnvoll ist. Vielleicht möchten die Eltern sich in Ruhe über ein wichtiges Thema unterhalten, oder es wird als Notlösung zum Ende des Besuchs eingesetzt, wenn kein Kind mehr stillsitzen mag. Da hilft es dann, die Situation für alle Familienmitglieder zu entspannen.

Was ich nicht verstehen kann ist die Annahme, Kinder könnten sich ohne Tablet oder Handy gar nicht im Restaurant benehmen. Sie von Beginn des Restaurantbesuchs vor diese Geräte zu setzen beraubt sie der Gelegenheit, einfach mal in Ruhe ihre Umwelt zu beobachten, daraus zu lernen – und, ja, vielleicht auch mal ein wenig Langeweile auszuhalten.

Was ist eure Meinung zu diesem Thema: Tablet ja oder nein? Ich freue mich über eure Kommentare!

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  1. Liebe Sabine, vielen Dank für dein nettes Kompliment 😊 Ja, auf jeden Fall warten, bis Kinder sich langsam an die Mediennutzung herangetastet haben. Freie Verfügbarkeit artet meist zeitlich aus, dafür ist die Verlockung zu groß. Schön, dass ihr jetzt einen guten Weg für euch gefunden habt.
    Alles Liebe,
    Viola

  2. Klasse Blog! Ich finde es sehr wichtig, dass man das Thema “Kinder und elektronische Geräte” beleuchtet und das auch mal kritisch. Als Mutter tue ich mir auch stets schwer, wie viel Zeit meine Kinder vor elektronischen Geräten verbringen können, ohne, dass diese eine nachhaltigen “Schaden” davon mitnehmen oder nicht. Es gibt ja unterschiedliche Studien, die eher davon abraten, dass Kinder mit Smartphones und Tablets interagieren sollten. Wir zu hause hatten auch lange die Diskussion, ob unser Sohn Ben ein Tablet bekommen soll oder nicht. Ben ist stets an mein Tablet gegangen und hat da unterschiedliche Apps installiert und hat dann auch damit gespielt. Das fand ich nicht so gut, weil er einfach alles installieren konnte – Ben, mein kleiner Schlauer, kennt unsere Passwörter bzw. bekommt diese immer raus. Naja, zu seinem 10ten Geburtstag haben wir ihm dieses Jahr das Amazon Fire HD 8 Kids (https://kinderprogrammieren.de/equipment/tablet/fire-hd-8-kids-edition-tablet-review/) besorgt – er hat sich riesig gefreut. Wir haben echt lange diskutiert welches Tablet wir besorgen und sind im Nachgang super happy, weil das Tablet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten hat, sodass die Nutzung zeitlich beschränkt werden kann. Auch kann Ben nicht einfach alles installieren, was ich als Mutter super wichtig find. Was ich aber gemerkt habe ist, dass man schon warten sollte, bis das Kind 10 Jahre und Älter ist, bevor man ihm ein Tablet holen sollte… zumindest meine Erfahrung ist das 🙂

  3. Oh … jetzt bin ich beim Lesen vom einen zum anderen gekommen. Toller Blog 🙂 Diesen Beitrag fand ich sehr interessant. Denn das “Tablet-Phänomen” fällt mir nun schon eine ganze Weile auf und nervt mich auch ein bißchen. Ob im Wartezimmer beim Arzt, im Restaurant oder sonst irgendeiner Situation, in denen die Kinder etwas Langeweile aushalten müssen, wird Handy oder Tablet gezückt. Ich persönlich mag das überhaupt nicht. Klar dürfen meine Kinder Tablet spielen . Eine gewisse Medienkompetenz müssen sie ja auch erlernen. Aber wenn wir bspw. essen gehen, gehen wir essen. Da kann man mal was zu Malen einstecken oder auch ein Kartenspiel. Aber da müssen die Eltern halt helfen und können nicht in aller Seelenruhe essen und sich mit Freunden austauschen. Echt blöd! Da muss man sie doch tatsächlich erziehen ;-P

    Vor Kurzem war mein Mann auf einer Sitzung und da Ferien sind haben alle ihre Jungs mitgebracht und haben gegrillt. Da saßen die Jungs auf einmal vor einem Film FSK 12 – die Kinder sind 3,5,6, 7 und 8. Mein Sohn (7) und der Achtjährige kannten den Film nicht. Die drei jüngeren schon und waren begeistert. Ich war so baff, dass ich dazu nichts mehr sagen konnte, als mein Mann es erzählt hat. Aber was soll ich sagen!? Die Kinder waren halt still …

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