Familienleben

Kindern den Tod erklären

März 19, 2018

Der Tod ist nirgendwo willkommen, schon gar nicht in der Welt der Kinder. Wenn ein Familienmitglied stirbt wissen wir Erwachsenen oft selber nicht, wie wir damit umgehen sollen. Gefühle wie Schmerz, Verlust und Trauer überwältigen uns. Hilflosigkeit macht sich breit, nach einiger Zeit auch Wut und Ärger.

Die kleinen und doch so großen Fragen Wieso ? Weshalb? Warum? können meist nur unbefriedigend beantwortet werden.

Wie können wir Kindern den Tod erklären? Sollten wir sie überhaupt aktiv in die Trauerarbeit mit einbeziehen oder sie vor schmerzlichen Gefühlen beschützen?

Ich möchte euch dazu drei Geschichten erzählen. Sie alle sind wahr.

Ein Tumor
In meiner Schulklasse erfuhr ein Vater von seiner Krebserkrankung. Beide Eltern gingen sehr offen mit der Krankheit um und es gab immer wieder Phasen der Hoffnung. Nach 1,5 Jahren erlag der Vater jedoch seinem Krebsleiden. Die Mutter richtete die Beerdigung wie eine Feier aus – eine Feier seines Lebens. Der Sarg war von den Kindern bunt bemalt worden, und gemeinsam mit engen Freunden trugen sie ihren Vater aus der Kirche. Jeder der Anwesenden hatte einen Luftballon erhalten, und so stiegen am offenen Grab über 200 Ballons in die Luft.

Ein Unfall
Trotz wunderbaren Wetters, trockener Fahrbahn und ohne Gegenverkehr kommt ein Autofahrer von seiner Fahrbahn ab. Das Auto zerschellt, der Fahrer ist sofort tot. Er hinterlässt zwei Kinder und eine Frau, die vom Besuch der Polizei völlig überrascht werden. Danach ist nichts mehr, wie es war. Die Friedhofskapelle kann dem Andrang nicht standhalten, etliche Trauernde können die Zeremonie nur über Lautsprecher mit verfolgen. Eine schwarze Masse schiebt sich über den Friedhof, das Kondolieren dauert über eine Stunde.

Der Opa
73 Jahre Leben. 20 davon mit Krankheit, 6 Monate bettlägerig. Irgendwann kommt er, der Tod. Das weiß man als Angehöriger – und wird doch von ihm überrascht. Er nimmt einen Teil der eigenen Persönlichkeit mit, friert Erinnerungen ein und hinterlässt eine Welt, in der auf immer etwas fehlen wird. Man kann den Tod in höherem Alter verstehen, ihn zu akzeptieren fällt jedoch schwer. Dieses Endgültige bedeutet immer einen Abschied – und der schmerzt.

In allen drei Geschichten sind Kinder beteiligt. Kinder, die entweder nach langem Abschied, oder völlig unvermittelt eine geliebte Person verloren haben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder ganz unterschiedlich auf den Tod reagieren. Einige sehr heftig, andere ganz still. Trauern ist so individuell wie wir alle, jeder verarbeitet Geschehnisse auf seine eigene Art und Weise.

Doch eins war bei allen Kindern gleich: Sie wollten Informationen. Sie wollten wissen, was passieren wird, was passieren kann, was passiert ist. Sie möchten verstehen, den Tod begreifen. Durch das Verständnis der Fakten eine Annäherung an die traurigen Umstände erreichen.

Diese Möglichkeit sollten wir unseren Kindern geben. Sie sind so klug dass sie ohnehin merken, wenn sie hinters Licht geführt oder ihnen Dinge vorenthalten werden. Die Informationen, die wir ihnen weitergeben, müssen natürlich kindgerecht sein. Gefiltert von Erwachsenen, um von Kindern verdaut werden zu können.

Besonders das Alter der Kinder sollte dabei eine zentrale Rolle spielen: Jüngere Kinder haben noch keine konkrete Vorstellung vom Tod, ältere Kinder hingegen haben meist ein (sehr eigenes) Verständnis vom Tod entwickelt. Dementsprechend unterscheiden sich auch ihre Fragen.

Wichtig ist es, die Fragen der Kinder ernst zu nehmen und den Versuch einer Antwort zu wagen. Auch wenn wir Erwachsenen um Antworten verlegen sind, wird dem Kind unser Erklärungsversuch helfen. Ängste, die bei Kindern durch das Thema Tod hervorgerufen werden, können so abgebaut und vermieden werden.

Ein Dialog mit dem Kind sollte von den Bezugspersonen zwar angeboten, aber nicht erzwungen werden. Kinder trauern anders als Erwachsene und sie werden sich äußern, wenn sie bereit dazu sind.

Als Mutter oder Vater sollte man sich nicht scheuen, auch professionelle Hilfe für sich oder die Kinder in Anspruch zu nehmen. Vor allem wenn ein Elternteil stirbt, kann der/die Hinterbliebene kaum die eigene Trauer bewältigen und zusätzlich den Kummer der Kinder auffangen. Speziell ausgebildete Psychologen oder Beratungsstellen können hier unterstützen.

Die Seite www.kindertrauer.info  bietet zudem umfangreiche Informationen für Angehörige, Betroffene und Einsatzkräfte.

Habt ihr mit euren Kindern schon über den Tod geredet, reden müssen? Eure Kommentare direkt unter dem Beitrag sind mir herzlich willkommen!

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  1. Ich bin gegenüber vom Friedhof augewachsen und tagtäglich von kleinstauf mit dem Thema konfrontiert gewesen. Als meine Oma starb war ich ca. 7. Mir war klar was passiert ist und was es bedeutete. Ich bin auch sehr froh darum. Kinder wollen einbezogen werden. Wir waren bei der Beerdigung dabei, das hat beim Abschiednehmen geholfen.

  2. Ich finde auch Kinder sollten mit einbezogen werden, es ist ein Teil unseres Lebens, das Sterben. Ich finde es sogar sehr wichtig, der Tod sollte kein Tabuthema mehr sein. Meine Kinder wachsen auch mit Trauer, Tod und Friedhof auf, sie haben auch keine Scheu davor zu fragen. Sie sind jetzt 4 und 6 und es kommen immer mehr fragen zum Tod ihrer großen Schwester die sie kennenlernen durften. Und ich bemüh mich ihnen alles zu erklären, das sie es auch verstehen, auch wenn es mir sehr weh tut davon zu erzählen, aber meine große Tochter gehört einfach zu unserem Leben. Wir haben auch eine Gedenkecke für sie, mit Foto und anderen Erinnerungsstücken. Sie ist jeden Tag präsent.

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