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Mama vs. Lehrerin: Zwei Blickwinkel auf Schulanfänger

In dieser Rubrik möchte ich dir einen besondern Einblick ins Schulleben geben: Die verschiedenen Blickwinkel von mir als Mama und als Lehrerin. Denn in meiner Brust schlagen diese zwei Herzen – und zwar nicht immer im gleichen Takt. Als Mutter mache ich mir all die Gedanken  um meine Schulkinder, die du dir wahrscheinlich auch um deine Kinder machst. Doch als Lehrerin kenne ich all die Hintergründe, die Eltern eben nicht sehen. Daher bewertet die Lehrerin in mir Schulthemen ganz anders, als meine mütterliche Perspektive das tut.

Ein spannender Blick mitten durch ein Mama-Herz hinter die Kulissen des Schulalltags – viel Spaß beim Lesen von Mama vs Lehrerin!

Mama

Ich hatte es geahnt. Meine Befürchtung, dass die anfängliche Schulkind-Euphorie bald verfliegen würde, hat sich nach einem Monat Schule bestätigt. Meine Zwillingsmädchen hüpfen nicht mit leichtem Schritt in ihren Klassenraum, sondern wollen mich morgens gar nicht gehen lassen. Nur mit Mühe können sie ihre Tränen zurückhalten und schlurfen mit hängenden Mundwinkeln hinter ihrer Lehrerin hinterher. Ein ungutes Gefühl bleibt zurück – für sie und für mich.

Dabei macht ihnen der Unterricht eigentlich Spaß. Eigentlich, wohlgemerkt, denn die vielen Vorgaben der Lehrerin machen ihnen noch zu schaffen. Vorbei ist die Zeit, in der ihre Kita-Erzieherin ihnen fast jeden Wunsch erfüllte, als nur gebastelt oder frei gespielt wurde. Diese Umstellung fällt ihnen schwer und sie hadern damit, 45 minütige Unterrichtsstunden durchzuhalten. Am schönsten fänden sie es, wenn der Unterricht 3x 20 Minuten lang wäre und dazwischen zwei große Pausen lägen. Das wäre toll. Aber leider funktioniert Schule so nicht.

So viel Neues

Schreiben, lesen, rechnen, am Computer tippen und so vieles mehr bedarf ihrer ganzen Aufmerksamkeit. Dazu kommen noch all die sozialen Aspekte, die meine beiden zusätzlich herausfordern: So viele neue Gesichter gilt es sich zu merken, neue Freunde zu finden und seinen eigenen Platz im Klassenverbund einzunehmen. Dazu kommt die Lautstärke, die sie von ihrer kleinen Kita-Gruppe nicht gewöhnt sind. Dann noch einige Fachlehrer, deren Namen für sie momentan noch wie Schall und Rauch sind. Puh, all das ist ziemlich viel für einen kleinen Menschen.

So ist es nicht verwunderlich, dass meine Schulanfänger am Nachmittag völlig erschöpft sind. Das ist anstrengend, denn durch ihre Müdigkeit gibt es viel mehr Streitereien miteinander und wenig Bemühungen miteinander zu spielen. Ich versuche natürlich sie so gut wie möglich aufzufangen und ihre Freizeit wirklich als freie Zeit zu nutzen. Warum das so wichtig ist habe ich in diesem Blogpost beschrieben. Sie brauchen Ruhe, um sich zu erholen und Kraft für den nächsten Tag zu sammeln. Das weiß ich, doch das Ausmaß ihrer Erschöpfung gibt mir auch zu denken.

Herausforderung Hausaufgaben

Besonders schwierig wird es dann, wenn noch Hausaufgaben zu erledigen sind. Auch kleine Übungen werden hier als riesige Hürde angesehen. Jetzt nicht, mache ich später, muss das sein lautet meistens das Feedback zu meiner Aufforderung. Ja, muss es, Hausaufgaben sind nicht verhandelbar. So werden die Zahlen geübt und die Buchstaben geformt, doch mehr als ein MUSS ist es nicht. Bevor die Hausaufgaben zum Selbstläufer werden, scheint es bei meinen beiden noch eine gute Weile zu dauern.

Nach vier Wochen Schule bedarf es noch maximalen Mama-Input von meiner Seite. Meine Mädels brauchen sowohl meine psychische, als auch meine physische Unterstützung. In den Arm nehmen, motivieren, zuhören und auffangen sind momentan meine Hauptaufgaben. All das mache ich gerne und versuche ihnen ein gutes Gefühl rund um ihren Schultag zu geben. Dieses Gefühl überträgt sich auf meine Schulanfänger und ich bin mir sicher, dass es jeden Tag leichter für sie werden wird. 

Mamas stille Sorgen

Doch bis dahin mache ich mir jeden Vormittag Gedanken um sie. Ganz still für mich, um sie nicht zu beeinträchtigen: Klappt das Lesen heute besser, findet sich die Federtasche wieder an, kommen sie rechtzeitig zum Mittagessen? Mögen Sie diese Woche ihren Sitznachbarn, freunden sie sich mit neuen Kindern an, werden sie genügend gelobt? All diese Gedanken zischen immer mal wieder durch meinen Kopf. Was dagegen hilft? Loslassen! Loslassen und darauf vertrauen, dass meine Kinder ihren Schultag täglich sicherer beschreiten werden. Und dass sie wunderbare Lehrer haben, die sie in meiner Abwesenheit dabei unterstützen.

Lehrerin

Die neuen ersten Klassen sind in jedem Schuljahr ein Highlight. Als Klassenlehrer fragt man sich, welche bunte Mischung einen wohl erwartet. Denn gerade zum Schulanfang sind die unterschiedlichen Leistungsniveaus frappierend: Während ein Kind schon kurze Sätze schreibt, kann das andere noch nicht seinen Namen zu Papier bringen. Spannend zu sehen, welche Unterschiede es gibt und wie sich die Kinder im Laufe der ersten Schulwochen entwickeln werden.

Was Eltern nicht sehen

Auch beim Verhalten gibt es bei den Erstklässlern große Unterschiede. Immer wieder sehe ich Tränchen in den Augen schimmern, während Mamas oder Papas Bein fest umklammert wird. Gut, wenn die Eltern dann nach einem festen Drücker ihr Kind liebevoll ins Klassenzimmer hineinschieben. Eine lange Verabschiedung hilft nämlich nichts, sie verlängert den Abschiedsschmerz nur. Dabei gilt gerade bei Kindern häufig der schöne Spruch: Aus den Augen, aus dem Sinn. Kaum ist Mama oder Papa aus dem Türrahmen verschwunden, wird fröhlich mit dem Sitznachbarn geplappert und die Federtasche ausgeräumt. Wie gut wäre es, wenn die Eltern das mal sehen könnten! Dann bräuchten sie sich auch um traurige Kinder keine Sorgen mehr zu machen.

Als Lehrer der unteren Klassenstufen weiß man, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Schüler maximal 20 Minuten beträgt. Also stelle ich meinen Unterricht darauf ein und wechsle häufig meine Methoden. Auf konzentriertes Arbeiten folgt eine Phase der Entspannung und Bewegung, so dass das Gehirn Sauerstoff und Energie tanken kann. Kleine Bewegungsspiele und -lieder sind bei den Kindern sehr beliebt, sie lachen, entspannen und regenerieren dabei gleichermaßen. Anschließend sind sie wieder aufnahmefähig, so dass nun noch eine kurze Arbeitsphase folgen kann. 

Anstrengung und Freude

Klar, Schule ist anstrengend für sechsjährige Kinder. Sie erleben täglich so viele neue Eindrücke, die sie alle verarbeiten müssen. Darum nehme ich in meiner Tagesplanung darauf Rücksicht und bemühe mich, die sozialen Aspekte genau so wichtig zu nehmen wie die inhaltlichen. Im Morgenkreis lernen die Kinder einander besser kennen und beim gemeinsamen Frühstück bleibt ebenfalls Zeit zum Aufbau der sozialen Beziehungen. Neben all der Anstrengung bedeutet ein Schulvormittag somit auch viel Freude, Lachen und Spaß mit Gleichaltrigen. Viele Kinder blühen dabei regelrecht auf –  auch wenn sie ihren Eltern am Nachmittag erschöpft erscheinen. 

Richtige Hausaufgaben bekommen Schulanfänger zumeist noch nicht. Vielleicht muss ein Blatt aus dem Unterricht beendet werden, oder ein neuer Buchstabe Zuhause gebastelt werden. Kleine Aufgaben, mit denen die Kinder an das Prinzip Hausaufgabe herangeführt werden sollen. Der zeitliche Aufwand sollte 10 Minuten nicht überschreiten und das ist nach etwas Regeneration am Nachmittag durchaus für Kinder zu leisten.

Kindern Eigenverantwortung zutrauen

Vielen Eltern fällt es gerade zu Beginn der Schulzeit schwer, ihre Kinder loszulassen. Sie tragen selber den Stundenplan ins Hausaufgabenheft ein, obwohl das Aufgabe der Kinder wäre. Sie suchen die verlorene Federtasche, auch wenn das Kind dies am nächsten Tag alleine tun könnte. Kinder können nur selbstständig werden, wenn sie Eigenverantwortung übernehmen dürfen. Aufgabe der Eltern ist es dabei, ihnen ihre Hand als Hilfestellung anzubieten. Aber nicht, ihnen alle Aufgaben abzunehmen.

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