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Schule

Vom Umgang mit schlechten Schulnoten: Kinder stärken statt schwächen

Oktober 30, 2019

Es ist Dienstag kurz nach 14Uhr. Wie immer nehme ich meinen Sohn nach der Schule freudig in Empfang und frage ihn, wie sein Schultag war. Das war heute ganz offensichtlich die falsche Frage. Tränen schimmern in seinen Augen und er umarmt mich ganz fest. Klarer Fall, denke ich mir, er hat eine Klassenarbeit zurückbekommen. Und vermutlich steht unter der eine schlechtere Schulnote, als er erwartet hatte.

So ist es dann auch. Seine Englischarbeit, bei der er sich eigentlich sicher gefühlt hatte, wurde mit einer 4 benotet. Er erzählt mir von seinem Frust und nun kullern die Tränen unaufhaltsam. Ich kann ihm das Wechselbad seiner Gefühle zwischen Ärger, Enttäuschung und Sorge um die Zeugnisnote vom Gesicht ablesen. Also lasse ich ihn reden und weinen und tröste ihn.

Das Kind auffangen

Ich tröste ihn, weil er sein Bestes gegeben hat, was aber diesmal nicht für eine bessere Schulnote gereicht hat. Ich schaue mir seine Klassenarbeit an, diesmal als Lehrerin, nicht als Mutter. Aber da gibt es nichts zu beschönigen: Seine 4 ist angemessen, denn er hat in der Arbeit einfach zu viele Fehler gemacht.

Auch das sage ich ihm und er akzeptiert es klaglos. Klar, eigentlich weiß er das ja selber. Natürlich ist es leicht, die Schuld auf die Lehrerin und ihre falsche Auswahl der Aufgaben zu schieben. Aber wenn die Fehler sich in den verschiedensten Übungen häufen, dann kann kein Lehrer etwas dafür. Dann muss man als Schüler die Verantwortung für die eigene Leistung übernehmen.

Das akzeptiert mein Sohn und gemeinsam schauen wir uns die Fehler an, die er in der Arbeit gemacht hat. In aller Ruhe gehen wir die verschiedenen Aufgaben durch. Er erklärt mir, warum er welche Antworten gegeben hat und ich erkläre ihm, wie es richtig heißen müsste. Schritt für Schritt besprechen wir seine Fehler und ich spüre, wie er sich langsam neben mir entspannt.

Einige Aufgaben versteht er nun viel besser, an anderen muss er noch arbeiten. „Danke, Mama“, sagt er zu mir und umarmt mich mit seinen schmalen 12-jährigen Jungenarmen. „Na klar, mein Schatz“, antworte ich und umarme ihn ebenfalls. „Weißt du, Mama, was ich so schlimm finde? Der eine Junge aus meiner Klasse hat ganz doll über seine schlechte Note geweint. Er bekommt nämlich richtig dollen Ärger von seinen Eltern und wollte deshalb gar nicht nach Hause gehen!“.

Druck erzeugt Blockaden

Bei so einer Aussage blutet mein Mama-Herz und ich muss erstmal tief durchatmen. Ich finde es furchtbar sein Kind so unter Druck zu setzen, dass es sich wegen schlechter Schulnoten nicht traut nach Hause zu gehen. Sobald die Klassenarbeit geschrieben ist, kann man ja eh nichts mehr ändern. Psychischer Druck bringt dem Kind gar nichts – außer Schulangst und Lernblockaden.

Doch warum handeln Eltern so? Ich kenne die Mutter und den Vater des Jungen und weiß, dass sie ihr Kind sehr lieben. Sie möchten nur das Beste für ihren Sohn, davon bin ich überzeugt. Vielleicht ist ihnen nicht einmal bewusst, dass ihre Aussagen massiven Druck auf ihr Kind ausgelöst haben.

In meiner langjährigen Berufslaufbahn als Grundschullehrerin habe ich die Erfahrung gemacht, dass die meisten Eltern schlichtweg aus Angst so handeln. Angst davor, dass ihr Kind in der Klasse nicht mithalten kann. Angst vor dem nächsten Zeugnis. Angst vor dem Übergang in die Oberschule, der eventuell nicht die gewünschte Gymnasialempfehlung mit sich bringt.

Sie wünschen sich, dass ihr Kind in der Schule Erfolg hat. Dass es seine Schullaufbahn mit Leichtigkeit meistert, stabile Freundschaften schließt und als kompetenter junger Mensch schließlich sein Abschlusszeugnis in der Hand hält. Sie möchten, dass es ihrem Kind gut geht. Und ich kann sie mit ihren Ängste verstehen.

Dennoch muss man sich als Eltern bewusst machen, welchen Effekt die eigenen Aussagen auf die Selbstwahrnehmung des Kindes haben können. Worte können verletzen und seelische Wunden zufügen. Sie können ein Kind in der nächsten Testsituation so stark verunsichern, dass es scheitert – obwohl das Wissen eigentlich vorhanden wäre.

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Mit schlechten Schulnoten umgehen

Wie sollten Eltern also auf schlechte Schulnoten reagieren? Wie können sie es im Vorfeld bereits stärken? Anbei einige Tipps, die ich selber bei meinen Kindern anwende und die ich Eltern häufig in Gesprächen mit auf den Weg gegeben habe:

1. Unterstützt euer Kind vor der anstehenden Klassenarbeit. Das kann durch gemeinsames Lernen, abfragen oder auch die Vermittlung von professioneller Nachhilfe erfolgen. Eventuell gibt es auch größere Geschwister oder Verwandte, die dabei behilflich sein können.
2. Verdeutlicht eurem Kind, dass es gut vorbereitet ist und die Aufgaben dementsprechend gut meistern wird. Es gibt keinen Grund, sich vor der Klassenarbeit zu fürchten.
3. Motiviert euer Kind. Schickt es am Morgen der Arbeit mit einem motivierenden Satz wie „Das schaffst du!“ oder „Ich weiß, dass du das kannst!“ in die Schule. Das bestärkt das Kind in seinem Selbstwertgefühl und gibt ihm Sicherheit.
4. Fangt euer Kind auf, wenn die Schulnoten sich nicht im gewünschten Rahmen bewegen. Verzichtet auf Vorwürfe!
5. Nehmt euer Kind in den Arm und versichert ihm, dass ihr es trotz der schlechten Zensur genau so liebt, wie mit der Note 1. Kinder sorgen sich sehr um die Zuneigung ihrer Eltern und haben häufig Angst, dass sie diese wegen schlechter Leistungen verlieren.
6. Besprecht die vermasselte Klassenarbeit in Ruhe. An dieser Note kann man zwar nichts mehr ändern, doch für die nächste Arbeit ist es wichtig, aus den gemachten Fehlern zu lernen.
7. Sucht bei wiederholt schlechten Schulnoten das Gespräch mit dem Lehrer. Gemeinsam mit ihm oder ihr könnt ihr besprechen, woran euer Kind scheitert und wie es zukünftig besser unterstützt werden kann.

Neue Arbeit, neue Chance

Ich hoffe, dass ich euch eine kleine Hilfestellung zum Umgang mit schlechten Schulnoten geben konnte. Glaubt mir, auch ich habe mich schon über Zensuren meiner Kinder geärgert, die eigentlich nicht hätten sein müssen. Diese Rückmeldung ist für ein Kind aber auch in Ordnung, denn schließlich gilt es, die individuell beste Leistung zu fördern. Diese kann durchaus auch im mittleren Notenspektrum liegen, sofern sich das Kind in seinem persönlichen Rahmen angestrengt hat. Eine gute oder sogar sehr gute Leistung sollte nicht für jedes Kind die Messlatte sein.

Letztlich bedeutet eine schlechte Schulnote auch noch lange keine schlechte Zeugnisnote. In fast allen Fächern wird der mündliche Anteil zu 60% gewichtet, der schriftliche hingegen nur zu 40%. Konstante mündliche Mitarbeit oder ein zusätzliches Referat helfen in jedem Fall, um eine schlechte schriftliche Leistung auszugleichen.

Ich wünsche euch und euren Kindern weiterhin eine möglichst entspannte Schulzeit. Eure Kinder leisten in den Stunden am Vormittag so viel, was ihr als Eltern nicht seht. Als Lehrerin sehe ich es, sowohl im Unterricht als auch in den Pausen. Eure Kinder sind toll, sie haben großartiges Potential und sie möchten gute Leistungen bringen – auch, um Mama und Papa eine Freude zu machen. Drückt euren Sohn (und eure Tochter) doch gleich heute nach der Schule mal ganz fest und sagt ihm, dass ihr stolz auf ihn seid. Kleine Gesten bewirken oft die größten Wunder.

Habt ihr Fragen rund um schlechte Schulnoten oder andere Schulthemen? Schreibt sie mir gerne direkt in das Kommentarfeld oder schickt mir eine private Email an viola@mama-und-co.de. Ich freue mich auf Post von euch 😊

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  1. Liebe Michi,
    Kopf hoch: Ich kenne fast keine Familie, bei der die Schule nicht immer wieder mal für Ärger sorgt und es Streit gibt. Das erzählen nur die Wenigsten, obwohl es völlig normal ist. Du bist garantiert nicht alleine!!
    Alles Liebe, Viola

  2. Danke für deine Worte, Viola!
    Es ist einfach schwer, dabei zuzusehen wie es “bergab” geht und man nichts tun kann..und es scheinbar bei anderen Leuten keine solchen Schwierigkeiten gibt..

  3. Liebe Michi,
    ich verstehe deine Gedanken. Du hast schon so viel versucht und sicher sehr viel Zeit und Energie in den Lernzuwachs deiner großen Tochter gesteckt. Die Trennung vom Vater macht es dir (und ihr) da natürlich zusätzlich schwer.
    Ich möchte nicht aus der Ferne urteilen, kann dir aber sagen, dass meine große Tochter sich oft ähnlich verhält. Am Ende der 8. KLasse war absehbar, dass sie die Versetzung nicht schafft und ich habe meinen Frieden damit gemacht. Ich hatte mich furchtbar in die Situation reingesteigert, habe dann aber gesagt, ich lasse sie scheitern. Was ist passiert? Sie hat die Kurve gekriegt, ohne mein Zutun. Manchmal muss das Leben selber die Lehren übernehmen, das ist teilweise wirkungsvoller, als unser Gerede als Eltern.
    Versuche mal, den Teufelskreis zu durchbrechen. Ihr nicht dauernd zuzusetzen (obwohl du es gut meinst, ich weiß), sondern sie machen zu lassen. Und wenn sie nichts macht und nur noch 5 bringt? Dann wird sie die Klasse wiederholen müssen und das wird sie wahrscheinlich nicht wollen. An diesem Punkt gibt es die Chance, dass ihre intrinsische Motivation einsetzt – dass sie selber es will und anfängt zu kämpfen.
    Mit mehr reden erreichst du eher nur mehr Widerstand bei ihr.
    Ich wünsche dir, dass sich die Situation zum Positiven entwickelt. Lass die schulischen Sorgen nicht eure Beziehung trüben. Die Schule endet irgendwann, eure Bindung nie.
    Von Herzen alles Gute,
    Viola

  4. Hallo liebe Viola,
    hätte ich ein Kind, das wie deiner motiviert ist, dann wüsste ich ganz leicht wie ich ihr helfen kann. Meine Tochter ist 13, wollte sich in der Schule noch nie besonders anstrengen (hatte aber bis zur 4. Sehr gute Noten) und will sich auch nicht helfen lassen. Es war immer ein Desaster, jeden Tag. Sie kann sich schlecht konzentrieren, weiß nicht wie sie lernen soll, vergisst Hausaufgaben usw. Da sie noch drei kleine Geschwister hat (Schwester 6, die Zwillinge sind fast 4), ist tagsüber bei uns keine Ruhe (wie machst du das mit deinen Kleinen, wenn du mit den großen lernst??) um zu lernen und sie will auch nicht. Sie ist jetzt 8. Klasse Realschule. Wir haben schon Lernen Lernen als Wahlfach gehabt, die Schulpsychologin hat Konzentrationsübungen gemacht, jegliche Lernapps am PC lehnt sie ab. Die Noten sind oft schlecht trotz lernen weil sie eben sehr oberflächlich lernt. Sie sagt: “Ich mach das schon! Lass mich in Ruhe”. Aber langsam werden aus den 4 ern 5 er und ich schwanke zwischen: ich muss dranbleiben und sie zum lernen bringen und ein bisschen : ” Ja mei, dann fällt sie halt durch.” Verkompliziert wird das ganze noch, weil sie alle zwei Wochen zu ihrem Papa wechselt und dann dort zwei Wochen ist. Der kann ihr manchmal in Mathe helfen, ich nicht. Sie ist übrigens in allen Bereichen so autonom und hat sich noch nie “erziehen” lassen. Was soll ich nur machen?

  5. Liebe Miriam, vielen Dank für deine netten Worte. Ich freue mich sehr, wenn meine Überlegungen auch anderen Familien helfen. Liebe Grüße
    Viola

  6. Liebe Viola,
    Dein Artikel über schwächere Noten und den Umgang damit ist großartig!
    Da spricht die Mama und die Lehrerin. Wenn man deine Kinder kennt, merkt man, dass du mit einer gelassenen Strenge und viel Liebe und Unterstützung ans Werk gehst, aber ohne Druck.
    Auch wenn deine beiden Großen sicherlich sehr unterschiedliche Ansprachen und Unterstützung brauchen, suchst du immer nach dem passenden Weg.
    Das ist toll und sollte von vielen Eltern so übernommen werden!
    Soft Skills sind doch sowieso viel wichtiger als Schulnoten, schon jetzt, aber auch später im Berufsleben.
    Habt einen schönen Tag!

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