Mamaleben

Jeder Tag ein kleiner Abschied: Warum werden Kinder nur so schnell groß?

Mai 23, 2019

Ich weiß es ja: Carpe diem, nutze den Tag, genieße jeden Moment. Und ja, ich bemühe mich. Ich bemühe mich redlich, jeden einzelnen Tag maximal auszukosten. Trotzdem habe ich immer wieder das Gefühl, dass mein Leben auf fast forward an mir vorbeirast. Eins, zwei, drei im Sauseschritt – und die Mama kommt nicht mit.

Besonders deutlich wird das an den Kindern. Auf einmal werde ich da zu der Oma, die ich nie sein wollte. „Ui, bist du aber groß geworden!“, entfleucht es mir manchmal, noch bevor ich die Worte wieder verschlucken kann. Eigentlich hatte ich mir als Kind geschworen, diesen Satz nie auszusprechen. Zu sehr hat es mich genervt, selber mit diesen Worten begrüßt zu werden. Heute kann ich sie verstehen.

Da sind zum einen Kinder, die ich eine Weile nicht gesehen habe. Die sind in der Zwischenzeit nicht nur körperlich um etliche Zentimeter gewachsen, sondern haben plötzlich auch ihre kindlichen Züge verloren. Ich sehe dann immer mehr den sich entwickelnden Teenager oder Erwachsenen und kann immer wieder nur staunen. Sind die nicht gerade auf die Welt gekommen?

Vom Baby zum Teenager in Lichtgeschwindigkeit

Noch deutlicher wird mir das bei meinen eigenen Kindern. Folgende Situation spielte sich vor einigen Tagen bei mir Zuhause ab: Meine Zwillinge hatten ein Fotoalbum entdeckt. Ein Buch über die Babyzeit eines Kindes, mit lauter Andenken und Fotos. Auf einem Bild sah man zwei Kleinkinder, die fröhlich in einem Bällebad miteinander spielten.
„Guck mal Mama, das sind wir!“, triumphierte meine kleine Tochter. Ich begutachtete das Bild und musste feststellen, dass sie das nicht sind. Vielmehr waren die beiden meine fast vierzehnjährige Tochter und ihr gleichaltriger Cousin. Ein süßes Bild. Und trotzdem für mich mit einem bitteren Beigeschmack.

Denn zwischen der Entstehung dieses Fotos und dem Mai 2019 liegen über 10 Jahre. 10 Jahre Leben, in denen viel passiert ist – und die dennoch so schnell vergangen sind. 10 so wichtige Jahre im Leben meiner Tochter, die in dieser Zeit vom lachenden Kleinkind zu einem selbstständigen Teenie gereift ist. Ich verstehe, dass das der Lauf der Welt ist. Und trotzdem kriege ich da ein Tränchen im Knopfloch.

Ich möchte mein Kind nicht immer klein halten, darum geht es mir überhaupt nicht. Sie soll wachsen, lernen und irgendwann gestärkt in die Welt hinausziehen. Aber in mir sitzt einfach ein kleiner Stachel. Der piekst, weil ich dann doch das Gefühl habe, die Zeit mit ihr nicht intensiv genug genossen zu haben. Weil ich im Alltag versunken bin oder weil ich schon zu viel vergessen habe. Weil ich nicht aufmerksam genug war und es so viele Momente gibt, die sich in keinem Fotoalbum wiederfinden. Die einfach nur vergangen sind.

Mit Kindern leben und lernen

Nun ist meine Tochter ja kein Einzelkind geblieben, sondern ihr sind noch drei Geschwister gefolgt. Ein Segen für mich, denn so darf ich mehr Menschenkinder auf ihrem Weg ins eigenständige Leben begleiten. Sie hören auf mich (meistens zumindest 😉) und lernen von mir. Aber wisst ihr was? Ich lerne mindestens genau so viel von ihnen.

Die Großen machen ihre Witzchen, wenn ich zum hundertsten Mal am Tag mein Berliner „ne?“ an einen Satz hänge. Die Kleinen zeigen mir, wie wundervoll die Pusteblumen am Wegesrand sind – wenn auch nur für einen kurzen Moment, bevor ihre feine weiße Pracht davongetragen wird. Kinder sind ein wunderbares Korrektiv und ein großer Quell an Inspiration. Ohne meine Kinder würde ich die Welt sehr viel anders sehen, als ich das jetzt tue. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Noch ist es ein weiter Weg, bis auch meine kleine Zwillingsmädchen flügge werden. Aber ich weiß, der Tag wird kommen. Nicht mit Pauken und Trompeten, sondern ganz heimlich, still und leise. Es ist die erste eigenständige Verabredung, dann die erste Übernachtung bei Freunden und irgendwann der Freitagabend, der lieber außer Haus als im Kreise der Familie verbracht wird. Kleine Schritte in Richtung Selbstständigkeit und immer wieder ein kleiner Abschied für mich.

Mein Verstand sagt mir, dass ich meine Kinder ziehen lassen muss. Mein Herz möchte sie für immer umarmen. Das wird es auch, denn die Liebe und Fürsorge für ein Kind endet ja nicht mit dem Tag, an dem es sein Elternhaus verlässt. Dennoch hoffe ich sehr, dass dieser Tag für mich noch in weiter Ferne liegt. Und bis dahin bleibt halt doch nur eins: Carpe diem.

Wie erlebt ihr das Größerwerden eurer Kinder? Ich freue mich über eure Kommentare!

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  1. Du spricht mir aus dem Herzen! Auch ich habe Momente, in denen ich mir fast die Tränken verkneifen muss, weil ich das Gefühl habe, sie werden zu schnell groß und ich habe die vergangene Zeit vielleicht nicht ausgiebig mit ihnen genossen – dank dem Alltagshamsterrad. Und dann bin ich aber zeitgleich wieder unfassbar stolz auf meine zwei Mädels, wie selbständig sie schon geworden sind und zu was für unfassbar tollen Menschen sie sich entwickeln.
    Fast forward – das trifft es gut- Leider ist es auch mir manchmal etwas zu schnell.
    Schön zu wissen, dass man nicht alleine ist mit seinem Gefühlen und es auch anderen Mamas so geht.

    Liebe Grüße
    Sabine

  2. Oh Gott!! Ich kann es Dir so gut nachempfinden!! Meine großen Jungs sind sieben und acht und beschweren sich immer, dass ich sie manchmal noch meine Babys nenne. Mein Jüngster ist jetzt ein Jahr geworden und wo ist das Jahr?? Ich weiß es nicht. Es ist dahin geflogen. Gestern noch hab ich ihn gestillt und heute läuft er an seinem Wägelchen durch die ganze Wohnung. Obwohl ich immer glücklich bin, dass sie wachsen, lernen, gut mitkommen und alles eben so ist wie es sein sollte, trauere ich auch immer ein bißchen jeder Phase hinterher. Und mag sie auch noch so anstrengend gewesen sein 😉

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