Mamaleben

Was hilft bei Wochenbettdepression und Baby Blues? Tipps von betroffenen Müttern

März 10, 2019

Selten habe ich so eine große Resonanz erfahren, wie auf meinen Beitrag Wochenbettdepression und Baby Blues: Die Last auf Mamas Schultern. So viele von euch lieben Leserinnen haben mir ganz offen ihre persönliche Geschichte erzählt. Ich danke euch sehr für eure Offenheit und die wertvollen Tipps, die ihr mir zum Teilen gegeben habt!

Fast alle Kommentare haben eins gemeinsam: Immer kommt in ihnen ganz deutlich das Gefühl der Scham zum Ausdruck. Mütter schämen sich, weil sie nicht die Freude empfinden, die nach der Geburt von ihnen erwartet wird. Sie schämen sich, weil ihre Tränen eventuell das Baby negativ beeinflussen könnte. Sie schämen sich, weil sie nicht mehr funktionieren, weil sie durch einen scheinbar unerklärlichen Ausnahmezustand einfach nicht mehr können.

Dabei ist weder der Baby Blues, noch die Wochenbettdepression etwas, wofür Mama sich schuldig fühlen sollte. Es ist auch kein Zeichen von Schwäche, bei dem man sich „einfach mal zusammenreißen“ muss. Viele Frauen leiden nach der Entbindung an einer Wochenbettdepression – und trauen sich schlichtweg nicht, darüber zu sprechen. Als frischgebackene Mutter hat man nun mal glücklich zu sein, so wird es von der Umwelt erwartet.

Aber was kann man tun, wenn man von den Gefühlen der Depression überrollt wird? Wenn eben nichts mehr geht und der Antrieb fehlt, sich um das eigene Baby zu kümmern. Dies sind die Top Tipps von betroffenen Müttern, die dadurch ihren Baby Blues sowie auch ausgeprägte Wochenbettdepressionen in den Griff bekommen haben.

1. Darüber reden

Ein scheinbar simpler Hinweis, aber doch unglaublich wichtig. Viele Frauen haben mir erzählt, dass es ihnen erst besser ging, als sie anfingen über ihre Gefühle zu sprechen. Zuvor waren ihre Gefühle von Scham und Schuld so groß, dass sie es nicht wagten, sich mitzuteilen. Sie haben ihren Kummer mit sich selber ausgemacht und sich nach außen hin verschlossen.
Das Reden hat ihnen geholfen, den inneren Druck abzubauen und mit den eigenen Emotionen ins Reine zu kommen. Als häufigste Gesprächspartner wurden dabei die eigene Mutter, die Gynäkologin und der Partner genannt (und zwar tatsächlich in dieser Reihenfolge).

2. Der Traurigkeit Raum geben

Besonders betroffen haben mich Kommentare gemacht, in denen Mamas Schuldgefühle wegen ihrer Tränen geäußert haben. Ihre große Sorge war, dass das Baby durch ihr Weinen negativ beeinflusst wird – deshalb haben sie sich ihre Tränen verkniffen. In diesem Gedanken steckt so viel Liebe, dass er mich einerseits sehr rührt. Keine Mama möchte, dass ihr Kind unter ihren eigenen Emotionen leidet. Darum stellt sie sich und ihr Bedürfnis zu Weinen zurück. Das ist Mutterliebe.
Andererseits ist langfristig keinem Baby damit geholfen, wenn Mama sich ihm zuliebe absolut aufopfert. Auch Mütter haben ein Recht darauf, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Und wenn das in diesem Moment bedeutet, dass Mama Rotz und Wasser heult, weil sie sich eben gerade so fühlt, dann IST DAS OK!
Weinen baut Druck ab, es hilft dabei, sich besser zu fühlen. Ich habe irgendwo mal diesen schönen Spruch gelesen: Wenn man weint, läuft die Seele über. Genauso ist es. Jedem Menschen läuft mal die Seele über und wenn das Weinen den Kummer ein bisschen lindert, dann dürfen wir dankbar für diese körpereigene Hilfestellung sein. Auch wenn Mama dabei ihr Baby im Arm hält.

3. Das Baby abgeben

Mal ein wenig Zeit für sich haben, mal nicht ausschließlich im Versorger-Modus sein. Das Baby für kurze Zeit abzugeben hat für einige Mamas Wunder gewirkt. Dabei geht es überhaupt nicht darum, sein Baby „abzuschieben“. Nein, es geht darum diese Ruhephasen zu nutzen, um eigene Energie wieder aufzutanken. Um sich selber mal wieder zu spüren, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.
Ein Stündchen hier und da alleine kann helfen, um wieder mit mehr Freude auf sein Baby zugehen zu können. Wenn es irgendwie geht, solltet ihr euch immer mal wieder kleine Auszeiten gönnen. Ihr seid nicht nur Mama, ihr seid auch noch der erwachsene Mensch, der ihr vor der Geburt wart. Momente ohne Baby können helfen, um sich eigene Räume zurück zu erobern.

4. Ärztlichen Rat einholen

Häufig waren es (Frauen-)ärzte, welche den Anstoß zu einer ersten Verbesserung der Situation gaben. Wieso? Weil viele Frauen sich auf dieser professionellen Ebene eher angenommen fühlen, als dies im persönlichen und privaten Kreis der Fall ist. Ein Arzt kann zudem fundierte Ratschläge geben und ggf. weiterführende Behandlungsmethoden empfehlen. In schweren Fällen können auch medikamentöse Hilfsmittel vom Arzt verschrieben werden.

5. Austausch mit einem Psychologen

Auch der Besuch beim Psychologen kann bei einer Wochenbettdepression helfen. Dort können auf neutralem Boden alle Ängste, Sorgen und angestauten Emotionen angesprochen und Schritt für Schritt geklärt werden. Professionelle Hilfestellung kann hier oftmals in kürzerer Zeit mehr bewirken, als private Gespräche das können.
Häufig erhielten betroffene Frauen von ihren Gynäkologen den Impuls, einen Psychologen aufzusuchen. Alleine den ersten Schritt zu machen, scheint vielen eher schwer zu fallen. Dabei muss man ganz deutlich sagen: Traut euch! Wenn einem das Knie weh tut geht man zum Orthopäden. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit sollte man einen Psychologen aufsuchen, wenn die Psyche Schmerzen verursacht.

6. Zeit lassen

Tatsächlich ist dies die Erfahrung, von der am häufigsten berichtet wurde: Es wird besser mit der Zeit. Nicht immer gelingt dies ohne zusätzliche Unterstützung und nicht immer verläuft dieser Prozess so schnell, wie man es sich als Betroffene wünschen würde.
Und dennoch renken sich mit der Zeit viele Dinge ein, entwickelt sich langsam ein wohltuender Alltag mit dem neuen Erdenbewohner. Das hilft, um sich selber als kompetent und sicher zu erleben. Das Gefühl der Hilflosigkeit und Überforderung weicht irgendwann.

Diese Erfahrung habe ich selber gemacht und sehr vielen anderen Mamas ging es auch so. Gebt euch Zeit, um euch in Ruhe mit der neuen Situation auseinander zu setzen. Seid geduldig mit euch selbst und lobt euch auch mal selber bei Herausforderungen, die ihr gemeistert habt. Diese vermeintlichen Kleinigkeiten sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einem glücklichen Leben mit eurem Baby.
Manchmal braucht es eben ein bisschen Zeit, bis sich die Einheit aus Mama und Kind gebildet hat, die man sich wünscht. Gebt euch diese Zeit.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesen Tipps ein wenig Hilfestellung geben. Ein Zaubermittel gegen Wochenbettdepression und Baby Blues gibt es leider nicht, sonst hätte ich es euch gerne verraten. Dennoch ist es ganz wichtig zu wissen, dass ihr nicht alleine seid! Ganz vielen Frauen geht es so nach der Geburt ihres Babys, doch die wenigsten trauen sich, darüber zu reden.

Öffnet euer Herz, holt euch Hilfe und sorgt für euch! Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass nach der Dunkelheit der Wochenbettdepression wieder ganz viel Licht kommt – und dann wird es wirklich, wirklich schön. Ich wünsche euch von Herzen alles Liebe!

Falls ihr noch Anmerkungen oder Fragen habt, könnt ihr die gerne direkt ins Kommentarfeld eintragen. Persönlich erreicht ihr mich unter viola@mama-und-co.de, auch da freue ich mich jederzeit über den Austausch mit euch!

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