Mamaleben

Wochenbettdepression und Baby Blues ~ Die Last auf Mamas Schultern

Februar 24, 2019

Da war er endlich: Mein Sohn! Innerhalb von drei Stunden hatte er seine 4,3kg durch den Geburtskanal geschoben und mir somit eine kurze, aber intensive Geburt beschert. Seine Schwester war zu diesem Zeitpunkt 2,5 Jahre alt und ich hätte über meinen zweiten Nachwuchs nicht glücklicher sein können. Wenn ich mit irgendetwas nicht gerechnet hätte, dann mit einer Wochenbettdepression.

Kurz nachdem ich mit meinem Wonneproppen wieder Zuhause war fing es an. Obwohl ich mich so auf mein Baby gefreut hatte, konnte ich nur noch weinen. Die Tränen flossen und wollten einfach nicht aufhören. Dazu das Gefühl der völligen Überforderung, gemischt mit Antriebs- und Hilflosigkeit. Natürlich versuchte mein Umfeld, mich zu beruhigen. Das wird schon werden, das sind die Hormone, schlaf doch mal wieder. Gut gemeinte Ratschläge, aber leider nutzlos.

Achterbahn der Gefühle

Ich habe meinen Sohn von der ersten Sekunde an geliebt, gar keine Frage. Ein absolutes Wunschkind, das mein Familienleben komplett machen sollte. Umso größer war der Schock als ich feststellte, dass die Realität ganz anders aussah als ich sie mir vorgestellt hatte.

Was dann kam? Das Gefühl des Versagens. Da fühlt man sich schon schlecht, und dann macht man sich selber noch mit weiteren Vorwürfen klein. Keine Ahnung, warum das so ist, ich war meinem Gedankenkarussell jedenfalls hilflos ausgeliefert. Wenn ich mich zusätzlich deprimieren wollte, schaute ich in den Spiegel.

Dann sah ich jemanden, der mir vage bekannt vorkam. Dicke Augenringe, ungesunde Gesichtsfarbe, schlaffe Körperhaltung, einige Kilos zuviel. Alles völlig normal, wenn man gerade ein Baby entbunden hat, die Brust vom Stillen schmerzt und man als zweifach Mama auf einmal die doppelte Verantwortung trägt. Aber zum damaligen Zeitpunkt konnte ich das nicht so sehen.

ICH bleiben

Was mir letztlich geholfen hat war die Zeit. Das hört sich profan an und ist sicherlich nicht für alle Mamas, die an einer Wochenbettdepression leiden, das richtige und vor allem ausreichende Mittel. Ich musste lernen, mich wieder selber zu spüren, meine Bedürfnisse wahrzunehmen. Das ist schwierig, denn natürlich möchte man eine gute Mutter sein, die sich sowohl während der Schwangerschaft, als auch mit einem Neugeborenen absolut dem Wohlergehen des eigenen Kindes unterordnet. Dabei verliert man sich selbst leicht aus den Augen.

Kleine Auszeiten wie Spaziergänge, ein Kaffee mit einer Freundin oder der Kauf einer neuen Bluse haben mir gut getan. Und mit diesem Schwung konnte ich dann auch wieder besser auf mein Baby und mein Kleinkind zugehen. In Mini-Schritten zurück zu einem Alltag, der zwar anstrengend, aber doch machbar war. Zu einem Körpergefühl, das ich zwar nicht positiv, aber zumindest neutral empfunden habe.

Absolut kein Einzelfall

Vielen frischgebackenen Mamas geht es gerade jetzt so, wie es mir damals ging. Als ich Lillis* Schilderungen las, fühlte ich mich sofort in meine dunklen Tage zurückversetzt:

Wochenbettdepression oder Baby Blues – ich weiß nicht in welches der beiden ich mein Empfinden einordnen soll. Aber eins weiß ich: Seit unsere Amelia da ist geht es mir nicht sonderlich gut. Sie ist jetzt zwei Wochen alt und ich bin schon am Ende meiner Kräfte.

Ich hatte einen Kaiserschnitt den ich nie wollte, weil ich wusste, dass genau das mit mir und meinen Gefühlen passieren wird. Mir fehlt die Bindung zu meinem Kind. Bitte versteht das nicht falsch, ich liebe mein Kind über alles und bin mega stolz auf sie. Aber gleichzeitig fällt es mir auch schwer, das Mama-sein zu akzeptieren. Alle ersten Erfahrungen hat mein Mann mit unserer Tochter durchlebt. Aber gerade für eine Mutter ist die Bindung direkt nach der Geburt doch das Wichtigste.

Hilflosigkeit nach der Geburt

Viele, die einen ungeplanten Kaiserschnitt hatten, werden mich und mein Gefühl bestimmt verstehen können: Das Gefühl, wenn man da liegt und merkt, wie das eigene Kind aus einem rausgeschnitten wird. Wenn man von der Hebamme hört, dass das Kind da ist, aber man sein Baby nicht sehen kann. Das Gefühl völlig hilflos zu sein, weil niemand einem sagt was los ist. Wo das Baby ist. Was mit dem Baby ist.

Dann bekommt man es 5 Minuten auf die Brust. Man kann es aber nicht anfassen, weil die Arme ja an der Liege befestigt sind. Das Gefühl, wenn das eigenen Baby einem wieder weggenommen wird und man es erst nach Stunden wiedersehen kann, weil man ja noch im Aufwachraum liegen muss.
Im Krankenhaus selber kann man sich aufgrund des Kaiserschnitts nicht wirklich bewegen, und ist somit auch sehr eingeschränkt, was das Umsorgen und Kuscheln mit dem eigenen Kind angeht. Das erste Wickeln, das erste Anziehen, das erste Mal in den Armen halten. All diese Erfahrungen kann man nicht wirklich selber miterleben. Natürlich klappt das dann bei mir auch mit dem Stillen nicht so richtig, weil einfach diese Bindung fehlt.

Selbstvorwürfe und Selbstzweifel

So beginnen dann die Selbstvorwürfe. Nicht in der Lage zu sein, sein eigenes Kind richtig versorgen zu können. Die Selbstzweifel, ob das alles so richtig ist, ob das wirklich der richtige Weg war. Die Unsicherheit darüber, warum nicht die Gefühle für das Baby aufkommen von denen alle anderen Mütter immer reden.

Man fängt an sich zu fragen, ob man eine gute Mutter ist. Die Scham darüber, dass der eigene Mann einem helfen muss auf Toilette zu gehen oder duschen zu gehen, sich zu waschen oder nur mal eben Zähne putzen. Die Hilflosigkeit, wenn das Kind nachts anfängt zu schreien, man aber nicht schnell genug aufstehen kann um sich darum zu kümmern. Die Angst davor, dass andere schlecht über einen denken, wenn man zugibt, dass man keine Kraft mehr hat. Dass man mit den Nerven am Ende ist.

Was hilft?

Ich habe erst nach zwei Wochen zu Hause sein geschafft, mit meiner Hebamme darüber zu reden. Dann mit meiner Schwester, dann mit meiner Mutter. aber ich habe es noch nicht geschafft mit meinem Mann darüber zu reden. Aber er weiß, dass es mir nicht gut geht und versucht alles, damit ich mich besser fühle. Teilweise saß ich jede Nacht tränenüberströmt mit unserem Kind auf dem Sofa und habe mir Vorwürfe gemacht.

Darüber zu reden hat ein bisschen geholfen. Aber ganz weg sind die Gefühle noch nicht.

Ich würde gerne persönliche Tipps sammeln, was bei einer Wochenbettdepression helfen kann. Natürlich müssen in schweren Fällen ausgebildete Psychologen fachliche Hilfestellung leisten, da kann kein Spaziergang und keine Kaffeepause helfen – völlig klar. Aber vielleicht habt ihr euch selber in einer vergleichbaren Situation befunden und könnt berichten, was euch geholfen hat? Manchmal sind es ja ganz kleine Impulse und Denkanstöße, die eine Veränderung bewirken können.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir eure eigenen Tipps, Erfahrungen und Anregungen direkt ins Kommentarfeld schreiben würdet. 

Über euer Like meiner Facebook Seite Mama&Co würde ich mich sehr freuen! Dort werdet ihr auch regelmäßig als erste über neue Beiträge informiert.

 

*Name geändert

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  1. Hallo, also bei mir war die Geburt so wie bei dir und alles danach auch.
    Ich war bei einer Psychologin, weil mir sonst niemand verstanden hat. Das ist das einzige, was ich jeder Frau raten kann. Mit anderen Leuten darüber reden hilft wenig, da jeder einer Kaiserschnittgeburt anders empfindet. Auch, wenn man denkt „Es ist ja nicht so schlimm. Ich brauche keine professionelle Hilfe“ ist es die beste Lösung. Ich habe 6 Monate damit gekämpft und mich dann für eine psychologische Betreuung entschieden und bin so glücklich darüber es gemacht zu haben. Danach fühlte ich mich frei wie ein Vogel. Meine Narbe tat plötzlich nicht mehr weh, ich war besser gelaunt und machte mir keine Vorwürfe mehr. Auch, dass ich mein Kind nicht stillen konnte tat mir nicht mehr weh. Ich denke jetzt nicht mehr an die Geburt – davor tat ich es jeden Tag.
    Ich kann jedem ans Herzen legen sich wirklich an einen Profi zu wenden.

  2. Hallo Fimmy, ich ziehe meinen Hut vor dir! Unglaublich was du alles schon durchgestanden hast. Wie schön, dass dir jetzt die Arbeit gut tut. Ich wünsche dir und deinen Kindern weiterhin ganz viel Kraft und alles Liebe. Viele Grüße, Viola

  3. Wochenbettdepression und Babyblues ist für mich ein und das selbe: Mir ging es schlecht.
    Bei meinem mittleren hatte ich spontan entbunden und hatte Debression und Blues in höchstem Maße. Dazu kamen Panikattacken, Angstzustände und Schweißausbrüche. Ich habe das ganze Haus und jedes Zimmer verbarrikadiert aus Angst jemand könnte mein Kind klauen, gleichzeitig hab ich mich so unfähig gefühlt, weil es mit dem stillen nicht so recht klappen wollte. Ich liebe mein Kind über alles, konnte ihn aber nicht einmal ansehen ohne in Tränen auszubrechen. Nichts half, selbst die Therapie nicht… Folge waren Antidepressiva, die mich zum Roboter haben mutieren lassen. 0 Gefühle mehr… So wollte ich das nicht und hab sie abgesetzt, von da an wurde alles besser. Keine Depressionen mehr und der Blues war auch weg.
    Kind Nr. 3. Ungewollter Kaiserschnitt. Das war das größte Trauma was ich bisher hatte, bei Bewusstsein aufgeschnitten zu werden, und gleich danach sein Kind nicht einmal in die Arme gelegt zu bekommen. Ich war zornig, sauer so ziemlich alles. Sie haben mich um den 1. Moment mit meinem Sohn gebracht. Es lief am dem Tag alles nicht so wie ich es wollte.
    Bevor es aber wieder zu diesem unsagbar tiefen Loch kommen sollte, bin ich zur Chraniosakraltherapie gegangen. Dort habe ich die Geburt im Geiste noch einmal so erlebt wie ich sie mir vorgestellt hatte. Und so konnte ich Frieden schliessen mit dem erlebten Kaiserschnitt. Dann stand das nächste Drama vor der Tür, ich musste nach 4 Monaten wieder Arbeiten, war aber noch gar nicht bereit dafür. Und wieder die Angst vor diesem Loch… Ich habe nun mein ersten Arbeitstag geschafft, und mir hilft es ungemein, dass ich auf Arbeit Abpumpen kann. Dass ich auf Arbeit bin und trotzdem etwas für mein Kind tue, das hat mir viel geholfen.

  4. Puh, was für eine Geschichte. Danke fürs erzählen, das wird viele Mamas, denen es ähnlich geht, bestärken. Wie gut, dass du deine Tränen hast laufen lassen. Meine Gyn hat mir damals ähnlich geholfen.
    Ich wünsche deinem Partner und dir, dass ihr zu dritt sehr glücklich bleibt und vielleicht noch mal den Mut für ein zweites Kind findet. Dein Bauchgefühl wird dir sicherlich sagen, wann die Zeit reif dafür ist. Alles Liebe 🍀 Viola

  5. Hallo,
    Ich glaube es geht vielen Frauen nach der Gebiet so. Bei manchen endet es von allein nach dem Wochenbett, bei anderen entwickelt sich weiter eine Depression.
    Die Schwangerschaft war super bei mir, keine Schwierigkeiten. Dann kam diese Geburt….jeder sagt einen vorher wie toll so eine Geburt ist…….die Schmerzen würde man direkt nachdem man sein Baby in den armen hält vergessen. Überall liest man von Wunder der Geburt…wie Frauen scheinbar problemlos im Amazonas oder sonst wo im Einklang der Natur ihr Kind gebären…..diese Illusion verlor ich ganz schnell als ich im Kreißsaal weder stehen, liegen noch sitzen konnte….es tat einfach weh …jede einzelne wehe….ich lief nur seitwärts und hielt mich an den Tischen fest…..man liest auch oft ” wer keine Schmerzen ertragen kann, sollte keine Kinder kriegen” ” wie kann man sich nur ne pda geben” usw….solche Gedanken schwirren einen dann schon im Kopf rum und geben einem das Gefühl ne schlechte Mutter zu sein. Aber ich nahm die pda dankend an und war froh als ich mich danach endlich mal hinlegen konnte…..dann kam kurze Zeit später meine Tochter……mit über 4 kilo und ach und Krach….heißt es riss ziemlich viel und ich verlor ne Menge Blut….im Krankenhaus ging es dann noch ich hatte meine Tochter auf dee Brust freute mich über dieses kleine Wesen…..immer war jemand da sei es die krankenschwester oder jemand aus der Familie oder auch einfach nur die zimmernachbarin mlt ihrem neugeborenen. Tja dann wurde am tag der Geburt ein herzfehler bei unserer Tochter festgestellt….mein Freund kam ohne unsere Tochter aufs Zimmer, denn die wurde auf die intensiv gelegt
    …ich musste das Zimmer räumen und wurde auf die kinderkrankenstation verlegt…..da war ich sogut wie auf mich allein gestellt….als meine Tochter nach 2 Tagen intensiv zu mir auf die Kinderkrankenstation kam. Niemand kümmerte sich mehr um uns.. das stillen klappte nicht und die krankenschwester auf dieser Station halfen einen kaum weiter….sodass es pre milch gab….ich versuchte noch abzupumpen und gab ihr jeden Tropfen der aus meiner Brust kam….abends weinte ich auch nur ich fühlte mich einfach schlecht. Kind krank stillen klappt nicht und mir selbst ging es durch den vielen blutverlust auch schlecht. Als wir dann nach 2 Wochen kh endlich nach Hause kamen….bekam ich Panik alleine mit dem Kind zu sein…..mein Freund nahm sich dann kurzfristig frei….aber das ging auch nur für ein paar Tage. Ich hatte Angst mit dem Kind rauszugehen….fühlte mich nicht in der Lage selber Auto zu fahren…..zum Glück hatte ich meine Eltern in der Nähe die mich dann abholten zum einkaufen usw. Ich weinte oft und hatte schuldgefühle das es nicht alles so reibungslos abläuft wie man es von überall hört. Der Haushalt blieb auf der Strecke….denn ich war einfach nur müde….konnte aber nie richtig schlafen weil ich immer Angst hatte gleich schreit die kleine wieder. Viele sagten zu mir, du darfst nicht soviel weinen….das überträgt sich aufs Kind….also bekam ich ein noch schlechteres Gewissen und versuchte immer fröhlich zu wirken. Bis ich kurze Zeit später Gesundheitsbedingt zur frauenärtztin musste….die nahm meine Hand und sagte es sei in Ordnung zu weinen, wenn Sie weinen müssen lassen Sie es einfach raus….sonst kann das irgendwann zur einer Depression führen, ihrem Baby schadet es nicht, es merkt sowieso wenn es ihnen nicht gut geht.
    Irgendwie bestärkte mich das und ich ließ die Tränen dann einfach zu. Jetzt fast 2 Jahre später geht es mir besser, die Geburt und alles was dazu gehörte habe ich aber nicht vergessen. Wir wünschten uns immer zwei Kinder….aber ob es je ein zweites geben wird, wissen wir nicht mein Freund und ich reden hin und wieder mal von der Geburt und können sogar ein paar Scherze drüber machen (zb das ich ins stillkissen gebissen habe vor Schmerzen;-) ) aber für eine weitere Geburt sind wir glaube ich noch nicht bereit.

  6. Liebe Julia, vielen Dank für deine offenen Worte. Da hast du ja sehr, sehr dunkle Zeiten hinter dir und ich bewundere dich dafür, dass du dich langsam da durchkämpfst. Wie schön, dass du in der Familie auch so großen Rückhalt erfahren hast. Ich wünsche dir und deinen zwei Kindern alles Gute für die Zukunft, ihr werdet sicher zu einer untrennbaren Einheit zusammen wachsen💕 Alles Liebe, Viola

  7. Panikattacken – Depression – Dissoziation – Psychiatrische Klinik

    Das war mein Weg, nachdem unser zweites Wunschbaby da war.
    Ich liebte unseren Kleinen total als er auf die Welt kam. Nach 6 Wochen begannen die Panikattacken- was passier, wenn ich nicht mehr aufwache? Was wird dann aus meinen Kindern? Schaffe ich alles?
    Daraufhin folgten die traurigen Momente- ich sah mein Baby an und musste weinen.
    Dann die Erwartungshaltung von Außen. Du hast ein gesundes Kind- du musst glücklich sein. Ich fühlte jedoch nur Traurigkeit.
    Ich merkte auch nicht, wie sich die Traurigkeit zwischen mich und mein Baby drängte.
    Als unser Kleiner 10 Wochen alt war erlitt ich einen dissoziativen Zustand über mehrere Stunden. Die Ärzte rieten mir dazu ein Antidepressivum einzunehmen und sofort abzustillen. Das Abstillen machte ich- jedoch das Antidepressivum nicht.
    Ich hatte bisher noch nie in meinem Leben mit der Psyche Probleme- warum sollte ich ein Antidepressivum einnehmen?
    Ich versuchte es weiterhin mit Homöopathie und merkte nicht, wie ich immer weiter rutschte in der Spirale.
    Eines Morgens wollte mein Mann mir unser Baby, dass zu diesem Zeitpunkt 3 Monate alt war, auf den Arm geben.
    Ich konnte und wollte den Kleinen nicht mehr anfassen. Das war der Moment in dem wir Beide begriffen, dass ich ganz unten war.
    Was dann folgte war die Einweisung in die Psychiatrie und die Einnahme eines Antidepressivums.
    Mein Mann und meine Mutter haben sich beurlauben lassen um sich um den Kleinen und die 2,5 jährige Große zu kümmern.
    Der Weg war hart…nach 2 Monaten würde ich aus der Klinik entlassen und nach 4 weiteren Wochen mit einer Familienhelferin, schaffte ich es meine zwei Kinder wieder alleine zu versorge.
    Seitdem ist ein Jahr vergangen- das Antidepressivum muss ich noch einnehmen, regelmäßig zur Therapie, eine Putzhilfe habe ich auch noch- aber ich bin glücklich!
    Die Liebe zu meinem Sohn ist zurückgekommen und wird jeden Tag stärker. Klar bin ich oft traurig, dass ich das erste halbe Jahr seines Lebens verpasst habe. Aber zugleich bin ich auch unendlich dankbar, dass es jetzt so schön ist.
    Mir liegt es sehr am Herzen sich schnell Hilfe zu holen, wenn man spürt, dass es einem nicht gut geht und Stimmungsschwankungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

  8. Ja, ich glaube auch dass da viel mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden müsste. Es geht so vielen Mamas wie dir (und mir) und trotzdem wird viel zu wenig darüber gesprochen. Vielleicht hilft mein Beitrag auch anderen Mamas, das wäre ein kleiner Anfang 😊

  9. Hallo Viola – du sprichst mir aus der Seele – jetzt im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, dass das Thema nicht totgeschwiegen wird, dass halt nicht bei allen nach der Geburt der “Himmel voller Geigen hängt” – ich hätte es mir gewünscht, dass es mehr Informationsmaterial dazu gäbe bzw. der Frauenarzt bzw. die Hebamme darüber aufklärt. Ich, mein Freund und unsere Tochter hatten hatten eine – wie ich finde – schöne Geburt – zwar musste ich eingeleitet werden und letztendlich kam die Saugglocke zum Einsatz aber alles in allem bin ich zufrieden und denke gerne zurück. Aber dann am nächsten Tag realiesierst du, was nun auf dich zukommt – am ersten Tag nach der Geburt war für mich die Welt noch in Ordnung – dann kam die Nacht und ich stand vor der Entscheidung “Kind bei mir oder nocheinmal bei den Schwestern” ich war so hilflos – dachte ich kann gar nichts – ich konnte sie nicht beruhigen – ich fühlte mich wie die schlechteste Neu-Mutter der Welt, zu realiesieren, dass das Kind bei den Schwestern sich beruhigt und bei mir nicht war grausam aber ich habs über den Tag immer versucht – hatte sie so oft es ging bei mir aber in der Nacht kam immer die Angst – die Selbstzweifel – die Tränen. Am letzten Abend im KH hab ich meine Tochter bei mir gelassen, weil ich es mir beweisen wollte – ich musste. Und wir haben es gemeistert und ich war stolz wie bolle und ich fing erst dann an es zu genießen – das neue Leben mit dem kleinen süßen Bündel neben mir. Am nächsten Tag stand die Entlassung an und wieder “DIESE ANGST” – die Angst vor Zuhause – die Angst zuhause mit meinem Freund alleine dazustehen – wir als Laien mit einem Baby 🙂 – ohne, dass man die Schwestern hat, die man fragen kann und die dir beistehen. Aber zuhause wurde es dann noch schlimmer – die Angst – zu Versagen – eine schlechte Mutter zu sein – die Angst “ob mit einem etwas nicht stimmt, weil man sich nicht wirklich freut zuhause mit Baby zu sein” – das ging 5 lange Wochen lang – ich lies mich gehen, wartete sehnsüchtig auf meinen Freund – verlies nur im äußersten Puller-Notfall 🙂 das Sofa – zog meist erst gegen 15 Uhr meine Schlafsachen aus … ich ass nichts mehr – in 3 Wochen verlor ich 10 Kilo – jedes Anlegen zum Stillen war eine Qual, denn jedes Mal wurde mir schwarz vor Augen – mir gings jeden elendig – und dann hatte meine Hebamme eine Idee und testete meinen Eisenwert – der VIEL zu NIEDRIG war und ich hätte eigentlich so nie aus dem KH entlassen werden dürfen – evtl. sogar wäre eine Transfusion nötig gewesen – es dauerte ca. ne Woche bis sich mein Eisen wieder normalisiert hatte und ich aufblühte – geheult hab ich trotzdem noch jeden Tag – vor Angst es nicht zu schaffen – es nicht richtig zu machen, vor Hilflosigkeit aber gaaaaaanz viel vor Glück über unsere wundervolle Tochter!

  10. Ich fühle mich gerade in die Zeit der Geburt meiner Tochter zurückversetzt. Der große 3, die kleine gerade geboren und ich am Ende. Voller Schuldgefühle nicht so zu funktionieren, wie ich es erwartet, erhofft hatte und das schlimmste andere zu enttäuschen. Was noch dazu kam, war das Bagatellisiert der Umgebung mit Sätzen, wie „das wird schon! Oder Du hast es dir ja so ausgesucht“ Natürlich! Ich wollte immer mindestens zwei oder auch mehr Kinder, aber dieses Gefühl nach der Geburt, die Angst zu versagen und die Überforderung wollte ich nicht. Es wurde erwartet zu strahlen und gefälligst glücklich zu sein, bloß nicht die Wahrheit sagen, wie schwer es die ersten Wochen trotz all des Glücks ist, sich in das Lebens zu viert einzugewöhnen. Mein Mann hat mir unglaublich geholfen und auch die Gefühle und Ängste auszusprechen. Als ich so weit war, mir Beratung zu suchen und mit meiner Frauenärztin darüber sprach, würde es endlich besser. Ich hatte noch einen Termin mit einer Therapeutin, die auf Wochenbettdepressionen spezialisiert war, aber da ging es mir schon deutlich besser. Insgesamt hat es auch 3 Monate gedauert bis ich meine Tochter genießen konnte. Ich kann nur raten, darüber zu sprechen. Sich nicht hinter der Scham dieser Gefühle zu verstecken. Es hat nichts mit Versagen oder Unfähigkeit zu tun! Und es gibt Anlaufstellen, die ich als wirklich positiv erlebt habe, also keine Angst davor sich Rat zu holen. Und ganz wichtig gebt euch Zeit. Es kann und muss nicht alles Bach 2 Wochen reibungslos funktionieren. Gönnt euch zumindest die Zeit des Wochenbetts oder auch bis zu 3 Monate bis sich der Alltag eingespielt hat. Alles Liebe allen Mamas!

  11. Reden reden reden hat mit geholfen. Mit den Kinderarzt meinem Mann und der Hebamme. Und auch die Zeit hat geholfen.
    Man wird wieder mobiler. Und findet seinen Rhythms. Meine Tochter wird jetzt 5 Monate alt. Und ich habe 3 Monate gebraucht bis ich psychisch wieder normal bin. Mein Mann hat versucht do oft es ging Freiraum für mich freizuschaufeln. Und macht er immer noch. Auch ein sehr wichtiger Aspekt.

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