Baby | Zwillinge

Zwillinge stillen? Ja, aber bitte ohne Druck!

Mai 29, 2018

Natürlich kann man Zwillinge stillen. Man muss es aber nicht. Die Milch wird nicht mehr, wenn Mama sich permanent unter Druck setzt. Ein Plädoyer für den entspannten Umgang mit einem emotionalen Thema.

Stillen ist sicherlich die beste Möglichkeit, um ein Neugeborenes zu versorgen. Die perfekte Kombination aus Nährstoffen ist in optimaler Temperatur vorhanden, dazu stets griff- (bzw. saug-) bereit und zudem ohne zusätzliche Kosten. Besser geht´s nicht.

Aber was soll Mama tun, wenn es eben nicht geht? Wenn die Milch nicht fließt, wenn keine Milchpumpe und kein Stilltee hilft, um die Produktion anzukurbeln?

Als ich vor mittlerweile 13 Jahren meine erste Tochter bekam, war Stillen kein Thema für mich. Nicht, weil es mich nicht interessiert hätte, sondern einfach weil ich vorausgesetzt hatte, dass ich mein Baby problemlos würde stillen können. Leider musste ich schmerzhaft erfahren, dass dies eben nicht selbstverständlich ist.

Und was mir rückblickend noch mehr weh tut: Meine neugeborene Tochter musste das auch. Auf Anraten meiner Hebamme versuchte ich alles, um sie ausschließlich von meiner Muttermilch zu ernähren. Stundenlang saß ich an der elektronischen Milchpumpe und trank Fencheltee auch dann noch, als ich für eine Fanta fast mein Leben gegeben hätte.

Währenddessen schrie mein Baby fast durchgehend, schlief kaum und war insgesamt sehr unruhig. Ihr Gewicht stagnierte bei jedem Besuch der Hebamme. Doch kontinuierlich wurde mir gesagt, dass bald alles besser und die Milch im Überfluss fließen würde. Damit verbunden war die Warnung, dass Flaschenkinder nie wieder die Brust nehmen würden und ich somit nur diese eine Chance hätte.

Ich hielt noch 6 weitere Wochen durch. Meine Nerven waren bedingt durch den Schlafmangel und die Frustration am Ende – die meines Kindes auch. Von meiner wunden Brust ganz zu schweigen. Als ich ihr endlich, endlich eine Flasche verabreichte, schlief sie zum ersten Mal 5 Stunden am Stück – ich hätte heulen können vor Glück!

Danach wechselte ich Flasche und stillen ab – und zwar ohne Probleme. Meine Tochter bekam zuerst die Brust und wenn diese leer war, gab es ein Fläschchen hinterher. Mit diesem System schaffte ich es, ihr zumindest 6 Monate lang die guten Inhaltsstoffe der Muttermilch zukommen lassen.

Als ich von meiner Zwillingsschwangerschaft erfuhr beschloss ich, mich wegen des Stillens nicht mehr verrückt machen zu lassen. Ich wollte es nach der Geburt auf mich zukommen lassen und ohne Stress versuchen, meinen beiden so viel Muttermilch wie möglich zukommen zu lassen. Trotzdem hatte ich vorsorglich bereits Fläschchen gekauft und mich nach geeigneter Babynahrung erkundigt.

Wie sich nach der Entbindung herausstellte, hatten meine Zwillinge einen sehr großen und zuvor nicht festgestellten Gewichtsunterschied. Dies führte dazu, dass ein Baby auf die Neonatologie verlegt wurde und ich nur ein Baby in meinem Zimmer behalten durfte.

So versuchte ich also mit häufigem Anlegen den Milchfluss zu fördern, und sollte dazu noch für das zartere Baby Milch abpumpen. Die Krankenschwestern waren sehr liebenswürdig und bejubelten jeden Tropfen Kolostrum, den ich ihnen präsentierte.

Dennoch spürte ich, dass die Menge nicht für beide reichen würde. Meine Kleinere bekam noch auf der Neo zusätzliche Flaschennahrung, die ihr der Papa verabreichen durfte. Die Größere mühte sich weiterhin nach Kräften beim Saugen ab, doch nach zwei weiteren Tagen rieten mir die Ärzte auch bei ihr zu ergänzender Nahrung.

Fünf Tage nach dem Kaiserschnitt durfte ich das Krankenhaus mit den Zwillingen verlassen. Natürlich wollte ich mich nicht allzu schnell geschlagen geben und legte die beiden an, so oft sie Hunger verspürten. Das gleichzeitige Anlegen fand ich im sogenannten Rugby Griff sehr unproblematisch. Leider hatte ich aus Gründen der Sparsamkeit auf ein Stillkissen für Zwillinge* verzichtet – diesen Fehler würde ich heute nicht mehr machen.

So ein Zwillings- Stillkissen ist einfach viel stabiler als es die für Einlinge sind. Ständig rutschten mir die Babys auf der wabbeligen Füllung weg und ich musste mit -zig Sofakissen korrigieren, um überhaupt eine stabile Position zu bekommen.

Ich genoss diese Momente ganz alleine mit meinen beiden sehr. Mir war allerdings bewusst, dass es mehr eine Kuschelzeit, als eine Zeit der Nahrungsaufnahme war. Dagegen war ja auch nichts einzuwenden, aber ohne Fläschchen hätte ich meine Zwillingsmädchen nicht satt bekommen. So arrangierte ich mich wieder mit der schon vertrauten Methode aus Brust und Fläschchen. Vier Monate lang ging das gut, dann stillten sich die beiden weitgehend alleine ab.

Eine Bekannte von mir hat ihre Zwillinge 1,5 Jahre ausschließlich gestillt. Das finde ich toll, leider hat es bei mir nicht geklappt.

Aber durch die Erfahrung, die ich Jahre zuvor mit meiner Tochter gesammelt hatte, blieb diesmal bei mir das schlechte Gewissen und das Gefühl des Versagens aus – zum Glück!

Und das ist auch der Grund, warum mir dieser Bericht besonders am Herzen liegt, liebe Zwillingsmamas (oder Mamas von Einlingen, bei denen es auch nicht so klappt): Bitte entwickelt wegen mangelndem Milchfluss keine Schuldkomplexe! Ihr seid überhaupt keine schlechteren Mütter, nur weil ihr nicht genügend Milch zum Ernähren eurer Kinder produziert. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass es gute Produkte zur Versorgung unserer Babys gibt – nutzt sie, und zwar ohne schlechtes Gewissen!

Es ist niemandem geholfen, wenn ihr völlig übermüdet, körperlich und seelisch erschöpft nur noch den Anschub der eigenen Milchproduktion im Kopf habt – euch nicht und euren Babys auch nicht.

 

Was ist eure Meinung zu diesem Thema oder habt ihr selber schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

Übrigens: Anita von Mamaskiste hat zum Thema Stillen ist Liebe – Fläschchengeben auch einen wunderbaren Beitrag geschrieben. Lest doch mal rein, es lohnt sich!

 

*Das Bild des Stillkissens enthält einen Affiliate Link, der euch direkt mit Amazon verbindet. Solltet ihr dort Artikel bestellen, wird Mama & Co mit einem kleinen Anteil am Umsatz beteiligt. Für euch entstehen keinerlei Mehrkosten. Natürlich könnt ihr sämtliche Produkte auch im örtlichen Handel oder anderweitig kaufen. Zudem möchte ich betonen, dass ich ausschließlich Produkte empfehle, von denen ich persönlich absolut überzeugt bin.

 

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