Altersabstand geschwister
Baby | Familienleben

Großer Altersabstand bei Geschwistern: Schwierig oder schön?

Juni 17, 2019

Mit der Kinderplanung ist das ja so eine Sache. In jungen Jahren träumt man sich die „ideale“ Familie zurecht und die hat dann – je nach persönlichem Wunsch – ein, zwei, drei oder mehr Kinder. Auch der Altersabstand zwischen den Kindern wird zum Thema, denn natürlich wünscht man sich eine enge Beziehung unter Geschwistern. Ich hatte mir da zumindest so einiges überlegt, aber das Leben verfolgte seinen ganz eigenen Plan für meinen Kindersegen. Zum Glück, kann ich heute nur sagen.

Meine großen Kinder wurden mit einem Altersabstand von zweieinhalb Jahren geboren. Auf mein Sommermädchen folgte ein Winterjunge und ich hätte mit meinem Duo nicht glücklicher sein können. Aber ein Kleinkind in Verbindung mit einem Baby aufzuziehen ist dennoch keine einfache Aufgabe.

Kleinkind und Baby

Meine Tochter war mit ihren zweieinhalb Jahren noch zu klein, um große Begeisterung für ihren Bruder zu empfinden. Mamas Bauch war weg, stattdessen lag da nun ein Baby. Klein, schrumpelig und (aus ihrer Sicht) ohne irgendwelche interessanten Fähigkeiten. Doch, schreien konnte er. Und vor allem Mama an ihrer Brust belagern. Meine Aufmerksamkeit, die zuvor zu 100% ihr gegolten hatte, musste sie nun teilen. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie auf dieses neue Familienmitglied auch getrost verzichten können.

Ich konnte ihre Gefühle absolut verstehen. Sie hatte das Baby nicht gewollt, denn ihr Leben war vor seiner Geburt rundum schön gewesen. Mama, Papa und sie als harmonischer Verbund – mehr braucht es für ein Kleinkind nicht, um glücklich zu sein. Nun war auf einmal alles anders und der Altersabstand war zu gering, als dass ich ihr die Situation rational hätte erklären können.

Kleine Kinder, große Bedürfnisse

Also bemühte ich mich nach Kräften, ihre emotionalen Bedürfnisse zu erfüllen. Sobald das Baby schlief spielte ich mit ihr, besuchte mit Baby unterm Arm ihren Turnkurs und las ihr auch dann eine Gut-Nacht-Geschichte vor, wenn mir vor Müdigkeit schon fast die Augen zufielen. Ich tat alles, um ihr die Umstellung auf die neue Familiensituation so leicht wie möglich zu machen. Häufig auch über meine eigenen Kräfte hinaus, aber dennoch von Herzen gerne.

Mit der Zeit wuchsen die Geschwister zusammen und je mobiler der Kleine wurde, umso mehr gemeinsame Spielanlässe gab es. Als Große war meine Tochter es gewohnt, den Ton anzugeben und ihr Bruder bewunderte sie für all das, was sie schon konnte. Der Altersabstand erwies sich nun als Segen, denn die beiden ergänzten sich in ihren Vorlieben und entwickelten eine enge Geschwisterbeziehung.

So gingen 7 Jahre ins Land, in denen wir als vierköpfige Familie zufrieden miteinander waren. Tja, und dann bekamen wir Zwillingsmädchen! Wie genau es zu diesem Familienzuwachs kam, könnt ihr in meinen Beiträgen Kinderplanung abgeschlossen – Und dann kommt alles ganz anders und Es sind Zwillinge – Wie eine Nachricht mein Leben veränderte nachlesen.

Von zwei zur Großfamilie

Natürlich machte ich mir vor ihrer Geburt viele Sorgen: Ganze zehn Jahre würden die drei Schwestern voneinander trennen, sieben Jahre älter würde ihr Bruder sein. Ist es überhaupt möglich, mit diesem Altersabstand eine Geschwisterbeziehung aufzubauen? Sind die Großen nicht gedanklich so weit von den Kleinen entfernt, dass es eher ein Miteinander- aber kein Zusammenleben werden würde? Viele schlaflose Nächte verbrachte ich mit zwei tretenden Babys im Bauch und unzähligen Gedanken im Kopf.

Meine Zwillinge wurden per Kaiserschnitt entbunden und die ganze Familie wartete an diesem sonnigen Mittag auf die Nachricht ihrer Ankunft. Ihre großen Geschwister befanden sich in der Obhut von Oma und Opa und meine Tochter rief über Omas Handy alle 30 Minuten an, um zu erfahren, ob sie endlich große Schwester geworden sei. Was für ein Unterschied im Vergleich zur Geburt ihres Bruders! Dieses Mal war sie voller Vorfreude auf unser Doppelpack und vor allem selig, dass zwei Mädchen unsere Familie bereichern würden.*

Zwei kleine und zwei große

Kaum waren die Zwillinge auf der Welt, kamen ihre großen Geschwister als erste Besucher ins Krankenhaus. Ich war so stolz! So stolz und so glücklich, dass meine großen ihre Baby-Schwestern mit Freudentränen begrüßten und sie am liebsten gar nicht mehr losgelassen hätten. Zum Glück gab es für jeden ein Baby zum Kuscheln, sonst wäre der Streit sicher vorprogrammiert gewesen…

Die ersten Wochen mit vier Kindern waren für mich sehr anstrengend. Zum einen körperlich, denn eine Zwillingsschwangerschaft mit abschließendem Kaiserschnitt, Stillproblemen und allem, was zur Babypflege dazu gehört, können nur Promi-Mamas mühelos wegstecken – ich konnte es nicht (und ich habe größte Zweifel, dass die das können. Aber das ist ein anderes Thema…).

Zum anderen lebte ich in ständiger Sorge um das seelische Wohlbefinden meiner großen Kinder. Ich wollte auf keinen Fall, dass sie sich durch ihre Zwillingsschwestern zurückgesetzt fühlten. Bereits vor der Entbindung hatte ich mich um Fahrgemeinschaften für sie gekümmert, damit ihre jeweiligen Hobbys nicht auf der Strecke blieben. Und auch ihre Verabredungen mit Freunden sollten nicht zu kurz kommen. Eine logistische Herausforderung, die nicht immer reibungslos funktionierte.

Dennoch haben sich meine Großen nie beklagt. Die Vorwürfe, die ich am meisten befürchtet hatte, blieben aus. Kein Du hast keine Zeit mehr für mich oder Du kümmerst dich nur noch um die Kleinen kam über ihre Lippen. Das freute mich und mit der Zeit entwickelte sich ein wohltuender Alltag, in dem jeder den für ihn passenden Platz fand.

Geschwisterliebe – ganz individuell

Der große Altersabstand war tatsächlich sehr hilfreich, denn häufig konnten mich die beiden Großen bei den Kleinen unterstützen. Jede Mama weiß, dass allein fünf Minuten ohne Baby mal ein Segen sein können. Und so konnte ich (zumeist) geduscht und vollständig bekleidet die ersten 365 Tage mit Zwillingen überstehen.

Ganz wichtig war mir dabei darauf zu achten, dass ich die Älteren nicht als Babysitter ausnutzte. Ich finde es selbstverständlich, dass man sich in einer Familie hilft. Kinder können auch daran wachsen, altersgerechte Aufgaben zu übernehmen und Verantwortung zu tragen. Keine Frage. Aber alles in einem gewissen Rahmen, der auch ihre Bedürfnisse wahrnimmt und respektiert.

Seit der Geburt meiner Zwillinge sind vier Jahre vergangen. Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber erst jetzt fühlt sich meine Familie so richtig komplett an. Die Geschwister lieben sich, auch wenn Streitigkeiten natürlich nicht ausbleiben. Ihre Beziehungen zueinander sind ganz unterschiedlich, das ist immer wieder faszinierend zu sehen.

Mein Sohn spielt liebend gerne mit seinen Schwestern. Und sie binden ihn häufig in ihre Spiele mit ein. Egal ob Höhle, Schaukel oder Murmelbahn – am Schönsten ist es für sie zu dritt. Umso größer ist ihre Enttäuschung, wenn er mal keine Lust auf sie hat oder das Treffen mit einem Freund vorzieht. Er ist ihr Spielkamerad und immer für witzige Ideen zu haben.

Ganz anders verhält sich die Beziehung zu ihrer zehn Jahre älteren Schwester. Mitten in der Pubertät hat diese nur selten Lust, sich auf die Spielebene der kleinen Geschwister zu begeben. Verständlich, der große Altersabstand lässt sie nicht allzu viele Gemeinsamkeiten haben. Dafür umsorgt sie die beiden eher mütterlich. Für meine Große kein Problem, wenn sie einen Eintopf für die Minis warm machen soll oder abends beim Zähneputzen hilft. Beliebt sind auch die Kinder-Discos im Zimmer der großen Schwester, bei denen laute Musik aus der Box schallert und sie von ihr kunterbunt geschminkt werden. Ein riesiger Spaß für Groß und Klein.

Großer Altersabstand, große Liebe

Und so haben meine Kinder trotz ihrer verschiedenen Altersstufen zueinander gefunden. Rückblickend betrachtet empfinde ich den großen Altersabstand zwischen ihnen entspannter, als zuvor die zweieinhalb Jahre bei den beiden Großen. Das hat sicherlich auch mit meiner Erfahrung als Mutter zu tun und lässt sich absolut nicht verallgemeinern.

Trotzdem kann ich jeder Mama unter euch, die nach vielen Jahren wieder ein Baby erwartet, nur Mut machen: Es ist anders – aber nicht weniger schön. Im Gegenteil, es entsteht eine ganz andere Balance, als dies bei geringem Altersabstand der Fall ist. Also seid zuversichtlich und freut euch auf das, was kommt. Eure Kinder sind großartig und werden euch viele Sorgen nehmen, die ihr jetzt noch habt.

Von Herzen alles Gute, eure Viola

Welchen Altersabstand gibt es bei euch in der Familie? Oder überlegt ihr vielleicht, noch ein weiteres Kind zu bekommen? Ich finde das sehr spannend und freue mich über eure Kommentare!

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  1. Hallo Anna,
    herzlichen Glückwunsch! Du hast da etwas ganz tolles vor dir, was euer Familienleben sicher sehr bereichern wird. Wenn du öfter bei mir reinliest weißt du wahrscheinlich, dass ich auch von den anstrengenden Phasen berichte. Aber die Liebe, das Glück und die vielen kleinen wunderbaren Momente überwiegen alles, was an Stress auf dich zukommen wird. Freu dich auf diese aufregende Zeit! Und wenn ich dir irgendwie mit meiner Erfahrung helfen kann melde dich gerne.
    Alles Liebe und Gute für dich und deine Familie
    Viola

  2. Hallo,

    Dein Artikel macht mir viel Mut! Nach zwei Mädels von vier und sechs (bald fünf und sieben) Jahren, bin ich nun schwanger mit Zwillingsjungs. Ich bin auch schon ganz gespannt wie es mit dem größeren Altersabstand klappen wird und finde es – auch wenn Zwillinge bestimmt auch anstrengend sein werden – schön, dass sie dann einander zum Spielen haben.

  3. Hallo,

    ein ganz toller Artikel. Meine beiden Mädels haben einen Altersunterschied von 5 Jahren und für uns ist es perfekt. Die Große war ein Schreikind, so dass für uns erstmals kein zweites Kind infrage kam. Da das Zweite ja ganz anders wird (was alle prophezeien, ha ha), haben wir uns doch noch für ein zweites Kind entschieden. Und auch Kind Nr. 2 war ein sehr anspruchsvolles Baby . Für mich war es eine große Erleichterung, dass die Große schon fünf war, da sie alles verstehen konnte. Und jetzt, ein Jahr später können die beiden so schön miteinander spielen. Und die Große auch schon mal ein paar Minuten babysitten.

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